Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Schweine erleiden Qualen

Vor Gericht Schweine erleiden Qualen

Furchtbare Qualen hat ein Landwirt aus der Samtgemeinde Lindhorst seinen Schweinen zugefügt. Als Kreisveterinär Ulf Güber zur Durchsuchung auf den Hof kam, mussten 20 von 27 Tieren sofort getötet werden, um ihnen weiteres Leid zu ersparen.

Voriger Artikel
Info-Abend zu Flüchtlingen
Nächster Artikel
Bürgerbus legt los
Quelle: dpa/Symbolbild

Samtgemeinde Lindhorst. „Man kann die Zustände nur als schrecklich beschreiben“, sagt Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig.

 Einige Schweine konnten vor Schwäche nicht mehr aufstehen, andere krümmten sich vor Schmerzen. Wieder andere hatten offene Wunden oder waren fast verhungert. Oder beides. Mehrere tote Schweine hatte der Bauer auf dem Misthaufen entsorgt. Im Stall lagen verwesende Kadaver. „Es hat bestialisch gestunken“, erinnert sich Amtstierarzt Güber.

 Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz hat das Amtsgericht in Stadthagen den Landwirt jetzt zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt. Dies entspricht 100 Tagessätzen. Hinzu kommen fünf Jahre Tierhaltungsverbot. Der Angeklagte, so Richter Kai Oliver Stumpe, habe lebenden Kreaturen unendliches Leid und Schmerzen zugefügt, „weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr hatten“.

 In Spitzenzeiten hielt der Schweinezüchter nach eigenen Angaben bis zu 700 Tiere, zog pro Jahr etwa 1000 Ferkel auf. Später gab er den Betrieb auf und verkaufte das Borstenvieh bis auf wenige Schweine, die er nicht loswurde. Sie bekamen weder ausreichend Futter noch Medikamente. „Der Angeklagte hat die Tiere ihrem Schicksal überlassen“, sagt Staatsanwalt Dreißig. „Vor ihrem Leid“, so Richter Stumpe, „verschloss er die Augen.“

 Verteidiger Wilfried Ahlhausen vermutet dahinter eine Mischung aus Überforderung, finanziellen Schwierigkeiten und Verdrängung. Weil sein Hof nicht genug zum Leben abwarf, hatte der Landwirt sich einen anderen Job gesucht. Über Jahrzehnte hatte es keine Beanstandungen gegeben.

 Sven Kleinschmidt vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat drei getötete Schweine untersucht. Zwei von ihnen wären dem Gutachten zufolge qualvoll verhungert. „Für alle 20 Tiere war die Tötung eine Erlösung“, erklärte Kleinschmidt. Bei einem der drei Schweine seien „überhaupt keine Fettvorräte mehr vorhanden“ gewesen. Zudem habe es alte Frakturen, eine Entzündung des Magens sowie schwere Arthrose aufgewiesen.

 „Ich habe auch Arthrose“, fiel dem Angeklagten dazu im Schlusswort ein. Nachdem der Schweinezüchter zunächst geleugnet hatte, zog Verteidiger Ahlhausen angesichts eindeutiger Fotos aus dem Schweinestall die Notbremse. Nach einer Unterbrechung legte Ahlhausens Mandant eine Art Geständnis ab, spielte die Vorwürfe jedoch herunter und „feilschte um jedes Tier“, so Stumpe.

 Der Richter meint, dass sich Verbraucher „auch an die eigene Nase fassen“ müssten. „Wer Billigfleisch will, nimmt in Kauf, dass Tiere unter solchen Bedingungen gehalten werden“, sagt er. „Was wir hier gesehen haben, sind auch Auswüchse dieses Systems.“ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg