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Ab sofort „Zoo light“

Keine abrupte Schließung Ab sofort „Zoo light“

Zunehmender Sanierungsbedarf, steigende Belastung für die Inhaber-Familie und emotionale Gründe sind ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen, den Kraterzoo allmählich zu schließen.

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Viele Tiere des Krater-Zoos sollen nach und nach verkauft werden.

Quelle: Archiv

Bad Nenndorf. Denn ein abruptes Ende, wie es bisher geklungen hatte, ist nicht vorgesehen. Dies hat Werner Schulz, Sohn von Inhaberin Lenchen Schulz und des 2009 verstorbenen Zoo-Gründers, Werner Schulz senior, im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert.

Werner Schulz verweist auf die häufigen Personalwechsel innerhalb der zurückliegenden fünf Jahre. Keines der Modelle habe dauerhaft funktioniert, weil keine zufriedenstellende Zusammenarbeit zwischen Betreiberin und Angestellten möglich gewesen sei. So würde es weitergehen, versuchte man, den Zoo mit Tierpflegern von außerhalb fortzuführen.

Knackpunkt war nach Worten Werner Schulz‘ der Tod seines Vaters. Dieser habe den Zoo als Hobby betrieben und quasi im Stillen alles erledigt, was jetzt mit externen Kräften zu bewerkstelligen sei. Das Problem bestehe darin, dass das Zoo-Personal bei relativ geringer Entlohnung so gut wie keinen Urlaub und keine Freizeit habe. Chef eines kleinen Zoos zu sein, das höre sich für Tierliebhaber romantisch an, dahinter stecke aber harte Arbeit. Anfangs seien die Neulinge meist hoch motiviert, nach ein paar Monaten hätten sie jedoch die Nase voll.

Den Vorschlag des Fördervereins, den Zoo komplett in fremde Hände zu geben, hält Werner Schulz für nicht umsetzbar. Strom und Wasser beziehe der Betrieb aus dem Haus von Lenchen Schulz. Der Förderverein denkt zwar darüber nach, die Leitungen vom Kiosk her, der auf Stadtgelände steht, in den Zoo zu legen. Doch selbst dann müssten eine Kühlkammer und eine Futteranrichte in dem Privathaus genutzt werden. Dort dienten derzeit etwa 120 Quadratmeter für den Zoo, auch als Winterquartier einiger Tiere.

Hinzu komme, dass sich Lenchen Schulz mit dem Fremd-Betreiber-Modell nicht anfreunden könne. Sie tut sich schwer damit, das Lebenswerk ihres Mannes komplett aus der Hand zu geben. Und da sie mit fortschreitendem Alter immer mehr unter dem Zoobetrieb leide, sei die Entscheidung gefallen, den Tierbestand auszudünnen. Als weitere Gründe führt Werner Schulz steigende Ansprüche an die Tierhaltung, hohe Tierarztkosten und Sanierungsstau in den Gehegen an.

Deshalb will die Familie eine große Zahl an Tieren verkaufen. Interessenten seien bereits da. Damit dürfte der Zoo im Verlauf dieses Jahres immer mehr leer stehende Gehege aufweisen. Vor allem die in der Pflege anspruchsvollen Arten verlassen den Krater. Bei der Arbeit hilft nach wie vor Tierwirt Sandro Drechsler, der noch vom 2014 eingestellten Team übrig ist.

Das bedeutet aber auch, dass der Kraterzoo eigentlich nicht ganz schließt. Einige Tiere wird es auf absehbare Zeit weiterhin geben, das Privatgelände soll auch geöffnet bleiben. Damit können die Besucher wie bisher ihre Spaziergänge dort machen. Sozusagen in einem „Kraterzoo light“.  gus

Verständlich

Die Nachricht, dass der Kraterzoo schließt, hat viele Bad Nenndorfer traurig gemacht. Das ist verständlich. Genauso verständlich ist die Entscheidung der Familie von Lenchen Schulz, den Betrieb zu verkleinern. Denn in den Privatzoo haben Werner Schulz senior und dessen Ehefrau Lenchen enorm viel Arbeit investiert.

Momentan überwiegt bei vielen Menschen das Gefühl, ihnen werde etwas genommen, das sie zudem mit Spenden unterstützt haben. Aber Lenchen Schulz hat auch Anspruch auf Ruhestand. Und darüber hinaus ist bei allem Trübsal nicht zu vergessen, dass Familie Schulz den Tausenden Besuchern 50 Jahre lang einen Zoo geboten hat, den es sonst nie gegeben hätte. Und der ist noch immer richtig schön. gus

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