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Abgefahren: 140 Jahre Bahnhof

Bad Nenndorf / Jubiläum Abgefahren: 140 Jahre Bahnhof

Auf den Tag genau seit 140 Jahren ist Bad Nenndorf an den Schienenverkehr angebunden: Am 15. August 1872 wurde die Eisenbahnstrecke von Barsinghausen nach Haste eröffnet.

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Das erste Bahnhofsgebäude war ein Fachwerkbau. 1936 wurde er abgerissen.

Quelle: gus/pr.

Bad Nenndorf (gus). Seither ist Bad Nenndorf in eine Art Ringverkehr eingebunden: Über Barsinghausen und Weetzen geht es in Richtung Landeshauptstadt, wer das Umsteigen nicht scheut, kann den Weg über Haste und Wunstorf antreten. Und Bahnreisende in der Kurstadt wissen: Über Haste geht es schneller. Das war offenbar schon immer so.
Aus alten Fahrplänen geht hervor, dass die planmäßige Fahrt von Bad Nenndorf über Barsinghausen nach Hannover 75 Minuten dauerte. Über Haste benötigten Reisende 56 Minuten. Zum Vergleich die heutigen planmäßigen Reisespannen: 43 Minuten auf der sogenannten Bummelstrecke, 33 Minuten über Haste. Die Gründe liegen auf der Hand: Zahlreiche Stopps verlangsamen die Reise entlang dem Deister, zudem ist diese Route um sechs Kilometer länger.
Doch der Personenverkehr war zu Beginn eher von untergeordneter Bedeutung. Dem Gleisbau zwischen Hannover und Haste lagen vor allem industrielle Motive zugrunde. So sollte auf der Schiene Steinkohle von den Preussag-Bergwerken in Barsinghausen und Bantorf abtransportiert werden. Auch die Beförderung landwirtschaftlicher Produkte stand im Fokus. Der Güterverkehr existiert heute auf dieser Strecke fast gar nicht mehr, lediglich ab und zu rollt ein Zug von Hannover zum Industriegebiet bei Nordgoltern.
Andersherum die Entwicklung bei der Personenbeförderung: Sie ist heute ein für Bad Nenndorf immens wichtiger Faktor, zwei S-Bahnen steuern den Haltepunkt an der Bornstraße an. Ein Fahrplan aus dem Jahr 1855 belegt, dass seinerzeit täglich nur drei Züge von Haste nach Hannover fuhren: Um 8.28, 14.58 und 19.38 Uhr. Hinzu kamen zwei Züge, die bis Barsinghausen rollten (11.28 und 13.04 Uhr). Und die jeweiligen Retouren. Damit käme die Deutsche Bahn heutzutage nie und nimmer mehr aus.
Nachdem im Jahr 1905 die Süntelbahnstrecke von Bad Münder nach Bad Nenndorf fertiggestellt worden war, existierten für einige Jahrzehnte zwei Bahnhöfe in Bad Nenndorf. Der Stopp an der Bornstraße bekam den Namen „Bad Nenndorf Nord“, der zweite Bahnhof trug die Bezeichnung „Bad Nenndorf Bad“. Standort des letztgenannten Stopps war an der Kramerstraße unweit dem Winckler-Bad. Heute sind dort das Jugendzentrum und ein griechisches Restaurant angesiedelt.
„Bad Nenndorf Bad“ existierte allerdings nur bis 1968 als Reisebahnhof, in jenem Jahr wurde der Personenverkehr nach Bad Münder eingestellt. Bis 1988 befuhren noch Güterzüge die Strecke, in 1989 rückte der Abbauzug an. Ein Stück Verkehrsweg ist aber selbst von der Süntelbahn geblieben: Von Rodenberg aus führt ein Radweg entlang dem Kraterzoo bis zum Nenndorfer Bahnhof exakt auf der alten Bahnstrecke.

Skizze eines 3.-Klasse-Waggons der ersten Jahrhunderthälfte: 50 Menschen fanden darin Platz.

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Polster erst ab 1954 Standard

Nicht nur hinsichtlich der Anzahl an Zugfahrten hat sich in den 140 Jahren seit dem Anschluss Bad Nenndorfs an das Bahnnetz eine Menge geändert. Auch die Züge selbst haben eine gründliche Wandlung hinter sich.
In den ersten Jahrzehnten pendelten sogenannte preußische Abteilwagen zwischen der Landeshauptstadt und Bad Nenndorf. An deren Seiten befanden sich durchgehende Trittbretter, auf denen beispielsweise die Schaffner von Abteil zu Abteil wanderten. Jedes dieser Abteile hatte eine separate Eingangstür, ebenfalls an der Seite des Waggons.
Innen befand sich ein Gang, über den die Reisenden die Toiletten erreichen konnten. Das heute selbstverständliche Wechseln von einem Waggon in den nächsten war seinerzeit während der Fahrt nicht ohne weiteres möglich, da es keine innere Verbindung der Wagen gab.
Und es gab deutliche qualitative Unterschiede. Sitzpolster waren beispielsweise in der 3. Wagenklasse Fehlanzeige. Die Reisenden mussten auf nackten Holzbänken Platz nehmen. Noch härter traf es die Popos in der 4. Wagenklasse: Einfache Bretter waren dort zu Sitzgelegenheiten aneinandergenagelt. Polster gab es erst ab der 2. Klasse. Das wirkte sich selbstredend im Preis aus: Um die Jahrhundertwende war ein Platz in der 1. Klasse viermal so teuer wie einer in der 4. Klasse.
1954 wurde die erst 1867 bei der Hannöverschen Staatsbahn eingeführte 4. Klasse wieder abgeschafft. Seither ist es Standard, dass Reisende in Zügen der Deutschen Bahn auf Polster sitzen. Allerdings bestehen selbstverständlich weiterhin Qualitäts-Unterschiede zwischen 1., 2. und 3. Klasse. So waren die billigsten Plätze zunächst beispielsweise lediglich mit Kunststoff überzogen. Die Passagiere dürften es verschmerzt haben.
In der heute von Bad Nenndorf nach Hannover fahrenden S-Bahn gibt es – wie seit 1964 im restlichen DB-Gebiet – nur noch die 1. und die 2. Klasse. Die Polster sind nahezu identisch. Allerdings gibt es in der ersten Klasse Armlehnen und Tische. Und die Kopfposter sind aufwändiger herausgearbeitet. Dafür bezahlen die Passagiere doppelt so viel Geld wie für einen Platz in der 2. Klasse. Laut GVH muss jemand, der im Nahverkehr erster Klasse reisen möchte, am Automaten oder am Schalter zwei Einzeltickets zu je 3.70 Euro kaufen.
Eines hat sich logischerweise nie geändert: Ob 1. oder 4. Klasse – alle Reisenden im Zug erreichten ihr Ziel zeitgleich. Allerdings möglicherweise unterschiedlich stark gestresst.

Die zwölf wichtigsten Stationen in der Bahngeschichte der Kur-stadt Bad Nenndorf im Überblick:

  • 1. Mai 1872: Der Streckenabschnitt Hannover-Barsinghausen wird eröffnet.
  • 15. August 1872: Der Streckenabschnitt Barsinghausen-Haste wird freigegeben, Groß Nenndorf bekommt einen Bahnhof.
  • 1904: Fertigstellung der eingleisigen Bahnstrecke Bad Münder-Bad Nenndorf. Es gibt fortan die Stopps „Bad Nenndorf Bad“ und „Bad Nenndorf Nord“.
  • 1936 Abriss des ersten Bahnhofgebäudes „Bad Nenndorf Nord“ und Errichtung des jetzigen Gebäudes.
  • 25. Mai 1968: Der Personenverkehr auf der 22,5 Kilometer langen Strecke Bad Münder-Bad Nenndorf wird eingestellt.
  • 31. Mai 1970: Aufnahme des elektrischen Zugbetriebs.
  • 1972: Die Deisterbahn wird Teil des Großraumverkehrs Hannover (GVH).
  • 17. April 1988: Abschiedsfahrten mit Dampflok zwischen Lauenau und Bad Nenndorf.
  • Januar 1989: Start des Rückbaus der „Süntelbahn“.
  • 1989: Einführung der „City-Bahn“ auf der Deisterstrecke.
  • 31. Oktober 1998: Ende des Ticketverkaufs im Bahnhof.
  • 2000: Einführung der bis heute verkehrenden S-Bahn anlässlich der Weltausstellung „Expo 2000“.
  • 31. Oktober 2007: Zugtaufe eines S-Bahn-Triebwagens auf den Namen Bad Nenndorf.

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