Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Agnes Miegels „Ruhestätte nicht besudeln“

Bad Nenndorf / Fürsprecher der verstorbenen Dichterin Agnes Miegels „Ruhestätte nicht besudeln“

Die vor rund 50 Jahren verstorbene Dichterin Agnes Miegel hat in dem früheren Bad Nenndorfer Foto-Studio-Betreiber Horst-Dieter Lehmann einen Fürsprecher gefunden. Lehmann kannte Miegel persönlich, hat sie auch fotografiert.

Voriger Artikel
Wasserleitung beschädigt
Nächster Artikel
Thierse unterzeichnet Aufruf

Agnes Miegel in einem Portrait des Foto-Studios Lehmann.

Quelle: pr.

Bad Nenndorf. Lehmann bewertet die Vergangenheit Miegels durchaus differenziert. Aber: Er hält es für übertrieben, dass das Andenken an die „Mutter Ostpreußens“ in Bad Nenndorf so in der Kritik steht wie zuletzt. Die Vorwürfe gegen Miegel seien nicht neu, es habe bereits vor Jahrzehnten Zeitungsberichte über deren Hitler-Gedicht gegeben, was auch manchen Bad Nenndorfer bewogen habe, sich von Agnes Miegel zu distanzieren.

Doch Lehmann fragt: „Wer werfe den ersten Stein?“ Es seien auch in der Kurstadt etliche Bürger „mit dem braunen Strom geschwommen“. Und nicht alle davon seien nach 1945 von ihrem Tun ausdrücklich abgerückt. Das Schreiben von wenigen Gedichten, die die Ideologie NS-Regimes stützten, sei nicht zu vergleichen mit aktivem Handeln gegen Verfolgte der Nazis.

Ehefrau Karin Lehmann weist zudem darauf hin, dass Miegel enorm viele Texte verfasst hat. Da seien diejenigen, die rechte Ideologie wiedergeben, nur ein winziger Bruchteil, den es freilich dennoch „nicht zu bejubeln“ gelte. Sie habe Miegel als warmherzigen Menschen kennen gelernt, und braunes Gedankengut habe diese nie geäußert. Mit den Lehmanns hatte die Schriftstellerin auch deshalb häufig Kontakt, weil in deren Foto-Labor Reproduktionen von Jugendfotos angefertigt werden sollten.

Karin Lehmann sieht ein Problem darin, dass Miegel einerseits heimatverbunden war und dass solche Tendenzen in Deutschland – anders als in anderen Staaten – verpönt seien. Es gebe zahlreiche Künstler, deren Mitwirken an der Propaganda des Dritten Reichs nicht zu derartigen Diskussionen wie jener um Miegel geführt habe. Beispielsweise Schauspieler Heinz Rühmann.

„Wir sollten als Nenndorfer ihre letzte Ruhestätte nicht besudeln, sondern sie so in Erinnerung behalten, wie sie für uns war: Ein Mensch mit Fehlern, aber eine großartige Dichterin“, betont Horst-Dieter Lehmann.
Ein Kompromiss könnte sein, das Denkmal aus dem Kurpark weg und hin zum Agnes-Miegel-Haus zu verlegen, meint der Fotograf. An der Grabpflege sollte indes nichts geändert werden.  gus

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg