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Bad Nenndorf Agnes Miegels „Ruhestätte nicht besudeln“
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Agnes Miegels „Ruhestätte nicht besudeln“
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00:17 19.07.2013
Agnes Miegel in einem Portrait des Foto-Studios Lehmann. Quelle: pr.
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Bad Nenndorf

Lehmann bewertet die Vergangenheit Miegels durchaus differenziert. Aber: Er hält es für übertrieben, dass das Andenken an die „Mutter Ostpreußens“ in Bad Nenndorf so in der Kritik steht wie zuletzt. Die Vorwürfe gegen Miegel seien nicht neu, es habe bereits vor Jahrzehnten Zeitungsberichte über deren Hitler-Gedicht gegeben, was auch manchen Bad Nenndorfer bewogen habe, sich von Agnes Miegel zu distanzieren.

Doch Lehmann fragt: „Wer werfe den ersten Stein?“ Es seien auch in der Kurstadt etliche Bürger „mit dem braunen Strom geschwommen“. Und nicht alle davon seien nach 1945 von ihrem Tun ausdrücklich abgerückt. Das Schreiben von wenigen Gedichten, die die Ideologie NS-Regimes stützten, sei nicht zu vergleichen mit aktivem Handeln gegen Verfolgte der Nazis.

Ehefrau Karin Lehmann weist zudem darauf hin, dass Miegel enorm viele Texte verfasst hat. Da seien diejenigen, die rechte Ideologie wiedergeben, nur ein winziger Bruchteil, den es freilich dennoch „nicht zu bejubeln“ gelte. Sie habe Miegel als warmherzigen Menschen kennen gelernt, und braunes Gedankengut habe diese nie geäußert. Mit den Lehmanns hatte die Schriftstellerin auch deshalb häufig Kontakt, weil in deren Foto-Labor Reproduktionen von Jugendfotos angefertigt werden sollten.

Karin Lehmann sieht ein Problem darin, dass Miegel einerseits heimatverbunden war und dass solche Tendenzen in Deutschland – anders als in anderen Staaten – verpönt seien. Es gebe zahlreiche Künstler, deren Mitwirken an der Propaganda des Dritten Reichs nicht zu derartigen Diskussionen wie jener um Miegel geführt habe. Beispielsweise Schauspieler Heinz Rühmann.

„Wir sollten als Nenndorfer ihre letzte Ruhestätte nicht besudeln, sondern sie so in Erinnerung behalten, wie sie für uns war: Ein Mensch mit Fehlern, aber eine großartige Dichterin“, betont Horst-Dieter Lehmann.
Ein Kompromiss könnte sein, das Denkmal aus dem Kurpark weg und hin zum Agnes-Miegel-Haus zu verlegen, meint der Fotograf. An der Grabpflege sollte indes nichts geändert werden.  gus

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