Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Allee quer über die Heerstraße

Bad Nenndorf / Kurpark Allee quer über die Heerstraße

Der Bad Nenndorfer Kurpark befindet sich derzeit im Umbruch. Die seit etwa zehn Jahren diskutierte Sanierung der grünen Oase im Herzen der Kurstadt hat nach Promenade und Landschaftspark nun auch den unteren Bereich erfasst. Die Schaumburger Nachrichten widmen sich in der Serie „Kurpark im Wandel“ den Veränderungen, die der Landschaftsgarten in gut 200 Jahren erfahren hat. Teil VI: Der Erlengrund.

Voriger Artikel
Informationen zu Asbest gefordert
Nächster Artikel
Kontrast zu „O Tannenbaum“

Blick vom Thieleplatz auf die Kugelahornallee und den Galenberg.

Quelle: gus

Bad Nenndorf. Der letzte Teil der Serie ist dem Bereich gewidmet, der sich am weitesten außerhalb befindet – dem Erlengrund. Zusammen mit dem Sonnengarten bildet der Erlengrund die Erweiterung des Landschaftsgartens unter der Regie Carl Thons zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 1903 begannen die Arbeiten an dem Areal, das sich vom Hang des Galenbergs bis zum Deisterrand erstreckt.

 Charakteristisch ist und war die Kugelahornallee, die sich vom ursprünglichen Rand des Parks bis zur Cecilienhöhe erstreckt – Ahorne wählte Thon, weil die Eigentümer der angrenzenden Acker gegen höhere Bäume wegen deren Schattenbildung protestiert hatten.

 Allerdings ist die Allee namens Podbielskiweg, im Volksmund auch als „Bubikopfallee“ bezeichnet, heute nicht mehr als durchgehender Weg zu erkennen. Der Bau der Bundesstraße 65 hat sie im Jahr 1932 zerteilt. Eigentlich verlief sie schnurgerade den Galenberg hinunter bis zu den Erlengrundteichen, wurde dann zwischen den Gewässern verschwenkt und führte über eine Brücke, bis ein weiterer wiederum gerader Abschnitt bis zur Cecilienhöhe folgte.

 Streng genommen erlitt der Erlengrund während der NS-Herrschaft noch eine zweite Zäsur, als die Autobahn 2 bei Nenndorf entstand (1938), doch störender ist aus heutiger Sicht die B65, die die Ruhe an den Teichen empfindlich beeinträchtigt.

 Dabei kreuzte die Ahorn-Allee von Beginn an eine Hauptverkehrsachse. Der Historiker und Kurpark-Experte Henning Dormann erklärt, dass der jetzt asphaltierte Parallelweg in Verlängerung der Erlengrundstraße früher einmal eine Heerstraße (der Helweg) war, deren Ursprünge bis in die Antike reichen. Von Minden aus führte dieser Weg über Beckedorf und Horsten durch Klein Nenndorf bis zur Bückethaler Landwehr weiter ins Calenberger Land.

 Allerdings war dieser Weg zur Zeit der Heilbadgründung und ebenso als der Erlengrund gestaltet wurde nicht die Hauptstraße in Richtung Hannover. Diese führte über den Galenberg und durch Bad Nenndorf hindurch. Auch die B65 dürfte in ihren Anfangsjahren kaum die trennende Wirkung gehabt haben, die sie heute ausübt. Seit Jahrzehnten müssen Fußgänger eine Ampel aktivieren, um in den jenseitigen Teil, in den eigentlichen Erlengrund, zu gelangen.

 Dort hatte Thon zwei vormalige Schlammgewinnungstümpel zu Teichen werden lassen. Er pflanzte die natürlich vorkommenden Bäume – vor allem Erlen und Birken – an und schuf eine geteilte Landschaft: Auf der einen Seite die fast streng geometrisch anmutende Ahornallee, auf der anderen Seite geschwungene Wege. Dazwischen befanden sich Wiesen, quasi ein Stück Urlaub für die Augen.

 Fußgänger, die den geschwungenen Weg wählten, gelangten auf halbem Weg zur Kreuzung mit der Ahornallee zu zwei Goldfischteichen, die heute nur noch Kenner wie Dormann wiederfinden. Sie sind komplett verlandet und maximal zu erahnen. Ein weiteres Kleinod ist die Hütte am Thieleplatz, von wo aus Spaziergänger während der Rast über die Wiesen auf die Teiche schauen konnten. Heute ist diese Sicht von Wildwuchs verstellt.

 Der Erlengrund ist ansonsten der wohl ursprünglichste Kurparkteil. Früher lebten zwar Schwäne auf den Teichen, und es gab ein Ruderboot, später siedelte die Staatsbadgärtnerei dort Wassergeflügel an. Und die Brücke zwischen den Teichen sieht völlig anders aus als jene in „Knüppel-Optik“ aus der Anfangszeit. Fast alles wie gehabt – wäre da nur nicht die B65.gus

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg