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Bad Nenndorf Aller guten Dinge sind vier
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Aller guten Dinge sind vier
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14:47 24.08.2017
Quelle: pr.
Bad Nenndorf

Damit war auch das Hauptargument des Verwaltungsausschusses vom Tisch, der gegen die Umbenennung votiert hatte. Auch bei der Ratssitzung am Mittwochabend sprach Stadtdirektor Mike Schmidt „von einem immensen Verwaltungsakt“, den die Änderung postalischer Adresse nach sich zöge. Doch darum ging es weder den Befürwortern aufseiten der SPD und der Grünen noch dem Ideengeber, der Jüdischen Gemeinde. Jene hatte sich mit einem Brief an die Verwaltung dafür stark gemacht, den Zentralen Platz, der erst nach der Sanierung des Kurhauses wirklich fertiggestellt ist, nach dem jüdischen Arzt, der von 1920 bis 1937 in der Kurstadt praktiziert hatte und dann von den Nazis vertrieben wurde, zu benennen.

Vorherige Versuche gescheitert

Jürgen Uebel, Vorsitzender von Bad Nenndorf ist bunt und Unterstützer des Vorschlags, machte deutlich, dass keine Namensänderung der umliegenden Gebäude notwendig ist. Ralph Tegtmeier (SPD) sah die Zeit gekommen, dass Blumenberg im vierten Anlauf endlich ein Platz gewidmet werden soll. Zwei vorherige Versuche waren daran gescheitert, dass die vorgeschlagenen Straßen zu weit von Blumenbergs Handlungsradius an der Hauptstraße entfernt gewesen seien. „Diesmal sind wir unmittelbar vor seiner Wirkungsstätte“, so Tegtmeier, der außerdem darauf hinwies, dass Blumenberg zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise unentgeltlich Menschen behandelt hatte. Imke Hennemann-Kreikenbohm (Grüne) machte außerdem auf die historische Verantwortung hinsichtlich der Aufarbeitung der Zeit des Nazi-Regimes aufmerksam.
Auf einen der gescheiterten Versuche nahm Stadtdirektor Schmidt sogar Bezug: Bei einer Ratssitzung des Jahres 1986 wurde die Namensgebung zwar abgelehnt, doch verfügte der Rat, dass ein in der Zukunft ein noch zu schaffender Platz nach Blumenberg benannt wird. Dieser Fall sei jetzt eigentlich eingetreten.

Mehrheit votiert für Umbenennung

Lediglich große Teile der CDU-Fraktion waren mit der Namensgebung nicht einverstanden. Bürgermeisterin Marlies Matthias las den Brief eines Anwohners vor, der unter anderem den Bekanntheitsgrad Blumenbergs kritisch hinterfragte. Erich Thies sagte, dass Blumenberg, im Gegensatz zu Millionen Todesopfern des Nazi-Regimes, mit dem Leben davon gekommen sei. „Warum kam er nicht wieder nach Bad Nenndorf zurück und hat für die Demokratie gekämpft?“, fragte der Christdemokrat und verwies auf Willy Brandt, „der bis zum letzten Tag für die Demokratie gekämpft hat“.
Doch jene Zweifel wurden durch die Abstimmung obsolet, da die Mehrheit der Mandatsträger, insgesamt zwölf, für die Umbenennung votierte. Im Detail sprachen sich die SPD- und die Grünen-Fraktion sowie zwei Mandatsträger der Wählergemeinschaft (WGN) pro Blumenberg aus. Die restlichen neun Politiker enthielten sich beziehungsweise stimmten gegen den Antrag. js