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Angeklagter will nichts bemerkt haben

Bad Nenndorf/Bückeburg / Prozess Angeklagter will nichts bemerkt haben

Es bleibt dabei: Der mutmaßliche Todesfahrer von Bad Nenndorf will den schrecklichen Unfall am Karfreitag 2010 weder verschuldet noch bemerkt haben. Zum Auftakt der Berufungsverhandlung hielt der Rentner (65) an seiner Aussage fest, wonach der Fahrer des anderen Autos beschleunigt habe, als er diesen in seinem 200 PS starken Roadster überholen wollte.

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Medienansturm: Opferanwalt Ralf Jordan, der den Familienvater vertritt, gibt Kamerateams in der Verhandlungspause ein Interview. © ly

Bad Nenndorf/Bückeburg (ly). Obwohl er mit hohem Tempo auf eine lang gezogene Linkskurve zuraste, neben sich zeitweise die Limousine einer Familie aus Suthfeld, will er anschließend nicht in den Rückspiegel gesehen haben. Begründung: „Ich bin jahrelang Lkw gefahren. Da regt man sich nicht mehr auf.“ Dass er gezittert hat, gibt der Hohnhorster zu.

Als die Polizei an jenem Nachmittag am Unfallort eintraf, der Bundesstraße 442 zwischen Kreuzriehe und Bad Nenndorf, war der Rentner längst über alle Berge. Den Beamten bot sich ein Bild des Grauens: Mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm irrte ein Familienvater durch die Trümmer, offenbar unter Schock. Immer wieder fragte er: „Wo ist der BMW?“

Gemeint war jener Z 4-Roadster, der die voll besetzte Limousine nach dem Überholen bei Gegenverkehr geschnitten und abgedrängt haben soll. Von dem Familienwagen blieb nur ein Wrack, durch den Aufprall gegen einen Baum fast in zwei Teile zerrissen und zurück auf die Straße geschleudert. Noch am Unfallort starben die Frau (24) des Suthfelders, deren Schwester (16) und der kleine Junge, keine zwei Jahre alt. Eine dreijährige Tochter überlebte. Vom Verursacher fehlte zunächst jede Spur. Eine Zeugin hatte sich jedoch das Nummernschild gemerkt.

Seit gestern sitzt der 65-Jährige nun erneut auf der Anklagebank. Vor der Berufungskammer am Bückeburger Landgericht wird der Unfall noch einmal rekonstruiert. Ende Januar hatte das Schöffengericht in Stadthagen den mutmaßlichen Todesfahrer zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Vom Vorwurf der Unfallflucht war er freigesprochen worden.

Nach eigener Darstellung hält sich der Angeklagte stets ans Tempolimit. „Bei 50 fahre ich 50, bei 100 fahre ich 100“, sagt er. Zeugen zufolge hatte der Rentner bereits vor der Katastrophe zwei Autos knapp überholt, jeweils im dichten Ausflugsverkehr.

Verteidiger Oliver Theiß sieht die Hauptschuld nicht aufseiten seines Mandanten, sondern bei dem Familienvater, wie er gestern im Interview mit Kamerateams erklärte. Ein neues Gutachten der Verteidigung soll belegen, dass dieser Gas gegeben hat. Im ersten Prozess hatte ein vom Gericht bestellter Sachverständiger errechnet, dass der offene Roadster bis zu 137 Stundenkilometer schnell war, die Limousine mindestens 117 km/h. Erlaubt ist an der Stelle Tempo 100.

Aus diesen Zahlen hatte der Stadthäger Richter Kai Oliver Stumpe zwar eine Mitverantwortung des Familienvaters abgeleitet, zugleich aber betont: „Er ist gestraft genug.“ Ein Strafverfahren war bereits im Vorfeld eingestellt worden. Ob er im Moment des Überholvorgangs Gas gegeben hat, ließ sich vor Gericht nicht feststellen. Gestern erklärte er sinngemäß, an die entscheidenden Sekunden keine Erinnerung zu haben.

In das Wrack auf der Bundesstraße war noch ein Motorradfahrer geknallt, der Brüche erlitt. Der Prozess wird am kommenden Dienstag um 8.30 Uhr fortgesetzt.

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