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Anonymer Brief bringt Senior in Verruf

Bad Nenndorf Anonymer Brief bringt Senior in Verruf

Wer eine Verwaltung auf Missstände in seiner Umgebung aufmerksam macht, kann ins Fadenkreuz der Justiz geraten – zumindest, wenn im Rathaus der Verdacht entsteht, dass ein anonymer Brief auf das Konto eines regelmäßigen Beschwerdeführers gehen könnte.

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Quelle: SN

Bad Nenndorf. So ging es dem Bad Nenndorfer Peter K. (Name von der Redaktion geändert).

 K. wurde im September von der Polizei vorgeladen, weil er als Beschuldigter in einer Ermittlung vernommen werden sollte. Der Vorwurf: versuchte Nötigung. Der über 80-Jährige aus Bad Nenndorf war vollkommen ratlos, was er angestellt haben sollte. Im Gespräch mit dieser Zeitung räumte K. unumwunden ein, das Ordnungsamt häufig mit E-Mails zu versorgen, in denen er beispielsweise auf Falschparker und unsaubere Stellen in der Stadt hinweist. Worin die „Nötigung“ bestanden haben sollte, war ihm schleierhaft. Von dem anonymen Schreiben wusste er nichts.

 In dem Brief war davon die Rede, dass an falsch parkenden Autos „etwas passieren“ werde, sollten diese nicht verschwinden. Mit seinen über 80 Jahren hatte K. indes keineswegs vor, Autos zu beschädigen.

 Bei der Vernehmung stellte sich bald heraus, dass K. nicht der Verfasser des Schreibens ohne Absender war. Dies bestätigte die Polizei auf Anfrage. Der Stil des Schreibens war ein völlig anderer als der der E-Mails, die K. verfasst hatte. Außerdem erschien es den Beamten wenig logisch, dass K. vom PC auf Schreibmaschine umgestiegen sein sollte. Eigentlich könnte dieser die Sache zu den Akten legen, doch er ist nach wie vor ärgerlich, zumal er mit seinen Beschwerden lediglich etwas gegen Missstände in der Stadt unternehmen wollte.

 Die Recherche dieser Zeitung hat ergeben, dass die Stadt K. keineswegs direkt angezeigt hat. Vielmehr wurde der anonyme Brief an die Polizei übergeben. Diese wiederum leitete das Schreiben ebenso wie eine Menge weiterer Dokumente – unter anderem K.s E-Mails – an die Staatsanwaltschaft weiter.

 Die Beamten wunderten sich zwar schon ein wenig darüber, dass so viel Aufheben um einen verhältnismäßig harmlosen Brief gemacht wurde. Zu den Akten legen durften die Ordnungshüter den Vorgang aber nicht.

 Die Staatsanwaltschaft wiederum gab den Tipp zurück, den Verfasser der vielen Beschwerde-E-Mails (Peter K.) vorzuladen. Auf scheinbare Parallelen der Forderungen in den Mails und im anonymen Brief hatte die Verwaltung hingewiesen.

 Die Vernehmung endete mit dem bekannten Ergebnis. Die Stadt will nun das Gespräch mit dem zu Unrecht Beschuldigten suchen, um Irritationen auszuräumen. Und es soll auch noch einmal über die Inhalte der Beschwerden K.s gesprochen werden.

 Wer der Verfasser des anonymen Briefs war, der die Sache ins Rollen gebracht hatte, ist nach wie vor unbekannt.

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