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Auch das „Außerhalb“ berührt

Bad Nenndorf / Jüdische Gemeinde Auch das „Außerhalb“ berührt

Vor zwölf Jahren hat sich in Bad Nenndorf für Jüdische Gemeinde gegründet, schon damals mit der Vorsitzenden Marina Jalowaja.

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Marina Jalowaja in den Räumen der Jüdischen Gemeinde.

Quelle: kle

Von Kathrin Klette

Bad Nenndorf. In der Kurstadt haben sich die Mitglieder immer gut aufgehoben gefühlt, berichtet sie. Internationale Ereignisse wie der Gaza-Konflikt und der damit aufflammende Antisemitismus gehen an den Gemeindemitgliedern dennoch nicht spurlos vorüber.

Anfang der neunziger Jahre gab es in Bad Nenndorf einige Aufnahmestationen für jüdische Migranten und Flüchtlinge. Einige davon verließen irgendwann wieder den Ort, andere wurden hier heimisch. „Dann gibt es ja immer das Bedürfnis, zusammenzukommen“, so Jalowaja, die zugleich noch Vize-Präsidentin des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen ist. So entstand der Wunsch, eine jüdische Gemeinde zu gründen, was 2002 schließlich umgesetzt wurde. „Seitdem haben wir uns hier gut eingelebt“, erzählt sie. Inzwischen zählt die Gemeinde um die 100 Mitglieder.

In Bad Nenndorf selbst haben sie „mit Antisemitismus zum Glück meist nur theoretisch zu tun“, sagt Jalowaja. Die große Ausnahme bildet der jährliche Neonazi-Aufmarsch zum Winckler-Bad. Doch auch überregionale und internationale Ereignisse, die „außerhalb“ passieren, – von Friedhofsschändungen bis zu offenen antisemitischen Äußerungen bei Demonstrationen gegen den Krieg am Gazastreifen – machen tief betroffen. „Ich bin selbst sicher mit einigem nicht einverstanden, was in Gaza passiert“, sagt Jalowaja. Ihr sei es unbegreiflich, dass rechte und islamistische Extremisten die dortigen Ereignisse hier in Deutschland „auf uns alle projizieren“. Das Schlimme sei vor allem, dass diese Gruppen die Stimmungslage ausnutzten, um ihre Parolen unter die Leute zu bringen und ungebildete und leicht zu beeinflussende Menschen zu beeindrucken.

„Wenn da wieder von Vernichtung und so etwas die Rede ist, macht mich das sehr unglücklich“, sagt Jalowaja. Innerhalb der Nenndorfer Gemeinde sei der Antisemitismus infolge des Gazakonflikts selbstverständlich auch Thema. „Wir haben mehrere Mitglieder in der Gemeinde, die über 80 sind und den Holocaust selbst erlebt haben. Sie dachten, so etwas kann nie wieder passieren. Jetzt haben sie Angst und fragen sich: Wie kann das sein?“

Vor Ort würden sie mit Antisemitismus wenigstens nur selten konfrontiert, so Jalowaja. Dass im Gemeindebriefkasten Flyer und Zettel von rechtsradikalen Gruppierungen eingeworfen werden, bleibe leider nicht aus. Offene Anfeindungen oder gar Angriffe seien ihr aber nie untergekommen.

Einen umso größeren Einschnitt bilden die Neonazi-Aufmärsche, die bis vor zwei Jahren sogar noch an den Räumen der Jüdischen Gemeinde vorbeiführen durften. Der Zuspruch und die Unterstützung durch ihre Mitbürger sei dadurch aber nur noch größer geworden. „Viele Menschen hier haben wir dadurch erst kennengelernt und festgestellt, wie viele uns unterstützen“, freut sich Jalowaja.

++++ Kulturtag am 21. September ++++

Zum Gemeindeleben der Jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf gehören neben den üblichen Aktivitäten wie Gottesdiensten und anderen religiösen Veranstaltungen auch individuelle Aktionen – darunter das Begegnungs- und Betreuungsprojekt „Du bist nicht allein“. Am Sonntag, 21. September, feiert die Jüdische Gemeinde ihren nächsten Kulturtag in der Wandelhalle. Beginn ist um 15 Uhr, zum Programm gehören unter anderem die Fotoausstellung „Erinnern und Zukunftdenken“ sowie ein Büfett mit jüdischen Spezialitäten. Um 18 Uhr spielt die Klezmer-Band „Schalom“. Alle Interessierten sind eingeladen, an der Feier teilzunehmen. Der Eintritt ist frei. kle

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