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Augenmaß auf beiden Seiten

Kurhaus-Entscheid / Kommentar Augenmaß auf beiden Seiten

Der Rat der Stadt Bad Nenndorf hat einen deutlichen Auftrag bekommen: Fast zwei Drittel der Wähler, die am Sonntag am Bürgerentscheid mitwirkten, haben sich für die Sanierung des Kurhauses ausgesprochen. An diesem Votum gibt es nun nichts mehr zu rütteln. Die Wiederherstellung des zentralen Gebäudes muss nun wieder angeschoben werden. Dabei kommt es aber in doppeltem Sinne auch auf das Wie an.

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Quelle: gus

von Guido Scholl

Einerseits sind SPD und CDU gut beraten, nun keine Blockade der Sanierungspläne aufzubauen. Damit würden sie sich an den Grundwerten der Demokratie versündigen. Die Wähler haben entschieden, und deren Wille muss allen Politikern im Rat eine Verpflichtung sein, die ermüdende Diskussion um das Kurhaus zu beenden und Taten folgen zu lassen.
Zwar lag die Beteiligung am Bürgerentscheid nur bei 63,8 Prozent, doch dieser auf den ersten Blick niedrige Wert ist beachtlich. Einerseits geht es nur um ein Haus, das manchen Einwohnern schlichtweg egal sein dürfte – vor allem in Riepen und Waltringhausen. Außerdem steht das Ergebnis in scharfem Kontrast zu den Mehrheitsverhältnissen im Rat. Und während CDU und SPD bei der Bundestagswahl gegenüber dem 2009er Ergebnis in Nenndorf deutlich zulegen konnten, haben die beiden Volksparteien mit ihren Vorstellungen zum Kurhaus-Abriss die deutliche Minderheit der Stimmen eingefahren. Dieses Signal ist unübersehbar.
Das Schädlichste, was Bad Nenndorf hinsichtlich des Kurhauses nun widerfahren könnte, ist ein weiteres Zerreden des Themas, ohne den Wunsch der Bürger zu realisieren. Die Aussage, die im Vorfeld des Entscheids häufig zu hören war, wonach die Materie zu kompliziert sei, um sie per Bürgerentscheid zu beurteilen, greift zu kurz: Ob nun der Neubau oder die Sanierung einen Tick teurer wird, ist gar nicht so erheblich. Manch einer kauft sich nun mal lieber einen gebrauchten Mercedes als einen nagelneuen Dacia. Und wenn 60,4 Prozent der Bad Nenndorfer ihren Mercedes reparieren lassen wollen, anstatt sich einen fabrikneuen Dacia ins Zentrum stellen zu lassen, dann ist diese Entscheidung vom Rat so zu akzeptieren.
Es ist der Wille der Bad Nenndorfer Mehrheit, das Kurhaus mit viel Geld auf Vordermann bringen zu lassen. Ein Politiker, der daran herumdeutelt, stellt seine eigene Legitimation als Volksvertreter in Frage.
Aber: Die Befürworter der Sanierung haben nun ebenfalls eine große Verantwortung übertragen bekommen. Mit dem Votum im Rücken dürfen sie nicht die finanzielle Situation der Stadt aus den Augen verlieren. Eine Umsetzung aller Sanierungswünsche könnte ins Desaster führen. Sollte das Kurhaus zum Kostenknebel werden, muss auch die WGN auf die Bremse treten, um im Bild zu bleiben. Dann muss der Mercedes nötigenfalls auch ohne Metallic-Lackierung und Ledersitze bleiben. Augenmaß ist also auf beiden Seiten gefragt.

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