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Bad Nenndorf / Europatag

Aus Kontrolle wächst Vertrauen


Zum Europatag hat sich das Gymnasium Bad Nenndorf (GBN) gestern über einen besonderen Gast freuen dürfen. Andreas Krüger vom europäischen Amt für Statistik sprach mit den Schülern über die Geschichte der EU und seine Arbeit in Zeiten der Finanzkrise.

Europa ganz nah: Andreas Krüger von Euro-stat stellte sich den Fragen der Schüler aus dem Seminarfach zum „Comeniusprojekt“ des Gymnasiums Bad Nenndorf.

© rwe
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Manchmal muss eine Schule auch Glück haben. So wie das GBN. Denn ursprünglich wollte EU-Mitarbeiter Andreas Krüger dem Gymnasium in seiner Heimatstadt Detmold einen Besuch abstatten und die Schüler dort über die Europäische Union und seinen Job in der Statistikbehörde in Luxemburg sprechen. „Aber die hatten kein Interesse“, sagt der studierte Volkswirt. Da traf es sich bestens, dass seine Lebensgefährtin in Bad Nenndorf lebt und das GBN als Europaschule sein Angebot gerne annahm.

Seit drei Jahren legt die EU ihren deutschen Beamten nahe, in ihren einstigen Schulen über Europa und ihre Tätigkeit zu sprechen. Krüger nutzte die Gelegenheit gestern zum ersten Mal und freute sich über die „große Aufmerksamkeit“, die ihm die Schüler entgegen brachten. Nur die Zeit war „ziemlich knapp“, um bei seinen Vorträgen die EU vorzustellen und alle Fragen zu beantworten. Etwas intensiver konnte er sich im Gespräch mit den Schülern aus dem Fachseminar „Comeniusprojekt“ dem Thema widmen. Nicht als „billige Reklame“, sondern als Information über die Entwicklung und Arbeit der EU sah er seinen Besuch – was durchaus auch werbenden Charakter haben durfte. Allerdings werde die europäische Identität den meisten Menschen meistens erst bewusst, wenn sie rauskommen und von außen darauf blicken.

Krüger, bei dem als 16-jähriger Schüler die Diskussion um den britischen Beitritt 1973 das Interesse an Europa weckte, landete über ein Praktikum vor fast 25 Jahren bei der damaligen EG. Seit 2003 kümmert er sich bei Euro-Stat um regionale Bruttoinlandsprodukte im Rahmen der Europäischen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Das Ziel: die statistischen Daten der EU-Staaten möglichst schnell und präzise vergleichbar zu machen. So hätten größere Vollmachten vermutlich das Ausmaß der Griechenland-Krise verringert. Schon vor drei Jahren sei diskutiert worden, die Angaben der Mitgliedsländer stärker kontrollieren zu lassen. Das sei auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel damals abgelehnt worden. Ein Fehler, den sie zugegeben habe, sagt Krüger. Mittlerweile seien sich die Staaten einig, die Kontrollkompetenzen zu erhöhen.

Der Gast erinnerte die Schüler auch an die Anfänge. Vor genau 60 Jahren hatte der damalige französische Außenminister angeregt, eine gemeinsame Behörde für die französisch-deutsche Kohle- und Stahlproduktion zu schaffen: die Geburtsstunde der EU.

„Gegenseitige Kontrolle als Vertrauensbildung“, beschreibt Krüger die Anfänge des Miteinanders, das sich aus der Sorge vor weiteren Kriegen entwickelte. Daraus habe sich eine Wertegemeinschaft gebildet, die global gesehen in seinen Augen auch eine „Schicksalsgemeinschaft“ bildet. Die EU schrumpfe, nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch in ihrem wirtschaftlichen Gewicht in der Welt. Europa mache gerade ein Drittel Chinas aus und müsse aufpassen, „nicht unter die Räder zu kommen“.

Mängel sieht Krüger in der Bewusstseinsgemeinschaft der Europäer. Diese komme gerade in schwierigen Zeiten wie diesen auf den Prüfstein, wenn die Solidarität gefragt sei. Der fehlende Zugang zur EU und die geringe Beteiligung an den Wahlen zum europäische Parlament führt er auch auf die „fehlende europäische Öffentlichkeit“ zurück. Diese definiere sich über die Sprache. Diskussionen über Europa verliefen in jedem Land für sich. Zugleich müsse die EU oft als Sündenbock herhalten. Die positiven Aspekte würden auch in den Medien nicht genug gewürdigt. Dennoch sieht er die Gemeinschaft, die ein weiteres Wachstum kaum vertrage, auf gutem Weg. Der Lissabon-Vertrag mache sie demokratischer, gebe dem Parlament mehr Befugnisse und achte zugleich auf die Minderheiten. Anders als sonst in der Welt werden die kleinen Staaten nicht einfach von den Großen „platt gemacht“. rwe

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