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Bad Nenndorf stiehlt Nazis mit Partymeile die Show

Bad Nenndorf / "... ist bunt" Bad Nenndorf stiehlt Nazis mit Partymeile die Show

Die Bahnhofsstraße soll sich am 6. August in eine Partymeile verwandeln. So lautet der Plan des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“. Wenn zum sechsten Mal Neonazis vorm Wincklerbad aufmarschieren, wollen wenige Meter entfernt Demokraten die Vielfalt ihrer Stadt feiern.

Bad Nenndorf (tes). Erstmals wollen sich Gastronomen und Geschäftsleute beteiligen. In direkter Nachbarschaft zum Wincklerbad öffnen „Parkhotel“, „Goldene Pekingente“, „Stargrill“ und der Feinkostladen „Gusto“ ihre Türen für ein kulinarisches und geselliges Vergnügen.

Für die Hindenburgstraße wurde ein Anwohnerfest beantragt. Flaggen von mehr als 40 Nationen sollen gehisst werden. Auch den Bahnhofsvorplatz erwartet ein buntes Gewand. Unter dem Stichwort „Rote Karte gegen Rechts“ haben sich die Akteure partei-, vereins- und altersübergreifend über die Planung ausgetauscht.

Ob Junge Union, Jusos, CDU, SPD, Linke, Vereine, Kirchengemeinden, Theaterkiste oder Seniorengemeinschaft sind sich im Bündnis alle einig: „Wir wollen es den Nazis so unbequem machen wie möglich, um unser aller Ziel zu erreichen, dass sie nie wiederkommen“, betont Bürgermeisterin Gudrun Olk.

„Viele Köpfe, viele Gedanken, die wir brauchen werden, um der Geschichtsverfälschung der Nazis auch optisch etwas entgegen zu setzen“, bestätigt Stadtdirektor Bernd Reese.

Die Strategie ist neu: Um an der Aufmarschstrecke Zeichen zu setzen, planen Anwohner, private Feiern anzumelden von Silberhochzeit, Geburtstagsparty der Bürgermeisterin bis zum Shabbat-Fest der Jüdischen Gemeinde, überall steigen friedliche Feste mit persönlichen Einladungen. Denn diese werden nötig, um sich gegenüber der Polizei als rechtmäßig geladener Gast ausweisen zu können.

2010 gab es verärgerte Bürger, die nicht passieren durften, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen, so ASF-Chefin Chrstine Cronjäger. Polizeichef Michael Andreas Meier kennt das Problem und hofft, dass 2011 mehr ortskundige Beamte eingesetzt werden, um zu vermitteln und Konflikte zu vermeiden. Wichtig sei der enge Draht zwischen Polizei, Bürgern und den Veranstaltern von Protestaktionen, berichtet Meier vom Gespräch mit dem Gesamteinsatzleiter. Auch Olk wirbt für enge Zusammenarbeit: „Es ist der Polizei zu verdanken, dass hier noch nichts Schlimmeres passiert ist.“

Im Rahmen der Aktion „Köpfe für Bad Nenndorf“ haben 140 Menschen Fotos von sich geschickt, die alle auf einem 50 Quadratmeter großen Plakat den Protest dokumentieren. Die Resonanz hat so begeistert, dass sich spontan ein privater Spender für den fehlenden Teil der Druckkosten fand. Ein Zuschuss vom Landespräventionsrat war beim Kulturfest zugesagt worden.

Keine Feier ohne Deko: Demnächst erhalten Anwohner der Bahnhofsstraße Post von der Stadt mit Informationen, wo und wann es Plakate und anderes Material gibt, um Häuser und Gärten zu schmücken. Abseits vom „Trauermarsch“ ein buntes Fest zu feiern, komme dieses Jahr nicht infrage, verdeutlichte Jürgen Uebel: „Wir wollen ran an die Strecke, um den Nazis klarzumachen, dass wir sie nicht hier haben wollen.“

Das nächste Vorbereitungstreffen ist am 2. August um 19 Uhr im Vereinsheim. Mehr Infos unter www.bad-nenndorf-ist-bunt.com.

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