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Bad Nenndorf Debakel geht weiter
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12:56 11.03.2018
Tempo 10 wegen Straßenschäden: Die Kampstraße mutiert zur unendlichen Geschichte. Quelle: gus
BAD NENNDORF

Denn es ist festgestellt worden, dass Fahrbahnplatten lose sind. Ein Scherz ist dies aber mitnichten sondern vielmehr die bittere Wahrheit. Bei einer Straßenkontrolle hatte der Bauhof diesen erneuten Schaden bemerkt, wie Bauamtsmitarbeiterin Mandy Keppel gegenüber dieser Zeitung erklärte.

Die Stadt hätte die Sache gern intern geregelt. Doch dass an der gerade erst sanierten Straße plötzlich Tempo zehn gilt und ein Schild vor Fahrbahnschäden warnt, warf Fragen auf. Diese beantwortete der Verwaltungschef mit klaren Worten. „Das ist eine Odyssee, eine Katastrophe“, klagte Stadtdirektor Mike Schmidt. Denn die Kampstraße hatte für die Stadt Bad Nenndorf ohnehin schon die wohl peinlichste Baustellengeschichte aller Zeiten geschrieben.

Eigentlich heute Abnahme

Im August 2016 sollte es eigentlich mit den Arbeiten losgehen, die dann auch zum Jahresende durch sein sollten. Die Baufirma rückte aber erst Wochen später an. Dann folgte eine beispiellose Pannenserie von verkehrt gelieferten Pflastersteinen über Dauerpausen und zu enge Gehwegpassagen bis hin zur Insolvenz der Baufirma. Auch der jetzige Pflasterschaden geht auf diesen Betrieb zurück.

Erst als die Firma Siemen das Ruder übernahm, wurde es besser, allerdings hatte die Stadt bis zuletzt mit den Altlasten der Baustelle zu kämpfen. Die Schlussrechnung beglich die Verwaltung aus Kalkül nicht. Denn von dem in die Pleite geschilderten Unternehmen Wilharm erwartete niemand ernsthaft eine nachträgliche Schadensbehebung. Und ein neu aus dem Verfahren hervorgehender Betrieb hätte dazu nicht verdonnert werden können.

Am heutigen Donnerstag sollte nun endlich die Abnahme erfolgen. „Eine kaputte Straße nehmen wir natürlich nicht ab“, betont Schmidt. Dieser weist ausdrücklich darauf hin, dass der Stadt bezüglich der Pflasterung kein Versäumnis vorzuwerfen ist.

An günstige Angebote gebunden

Ärgerlich ist die Sache vor allem aus diesem Grund: Weil sich mehrere Mitarbeiter des Rathauses nun wieder mit der Kampstraße beschäftigen müssen, bleiben andere Sachen liegen. Speziell im Baubereich hat die Stadt in diesem Jahr eine Menge vor der Brust – von Straßensanierungen und -ausbesserungen über die Begleitung der Kurhausarbeiten bis hin zur Vorbereitung der Rathausmodernisierung.

Bei der Auswahl der Baufirmen haben Kommunen indes keine freie Hand. „Wir sind in der Ausschreibung dazu gezwungen, das günstigste Angebot zu nehmen“, erklärt Schmidt. In vielen Fällen führt dies aber dazu, dass Firmen sich quasi gegenseitig unterbieten und diejenige, die den Zuschlag erhält, dann billige Subunternehmer – oft aus dem Ausland – einspannt. So war es auch bei der Kampstraße gewesen, wo Verwaltungskräfte sich teilweise nicht mit den Bauarbeitern verständigen konnten, weil es diesen an Deutschkenntnissen mangelte.

Wie groß der neue Schaden an der Straße ist, muss erst noch ermittelt werden. Diese Aufgabe übernimmt das Ingenieurbüro Kirchner. Die Stadt rechnet damit, dass der Unterboden im fraglichen Bereich erneuert werden muss.