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Bad Nenndorf Der Hanf wächst und wächst und...
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Der Hanf wächst und wächst und...
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00:17 09.02.2017
Symbolbild Quelle: Archiv
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Bad Nenndorf/Stadthagen

„Wir konnten damit nicht umgehen und hatten das nicht richtig unter Kontrolle“, bekennt er. Gemeint ist ein Indoor-Treibhaus.

Zwischenzeitlich ist der Rausch einer gewissen Ernüchterung gewichen: Das Schöffengericht in Stadthagen hat die Männer wegen der Herstellung von Betäubungsmitteln zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Pro Person kommt eine Geldauflage von 900 Euro hinzu.

Genug für 1500 Joints

In dem Prozess ging es um 230 Gramm Marihuana. „Das hätte für knapp 1500 Joints gereicht“, rechnete Richter Kai Oliver Stumpe vor. Vom Wirkstoffgehalt war die so genannte nicht geringe Menge, die aus juristischer Sicht die Grenze zum Verbrechen markiert, um das Dreifache überschritten. Auf Verbrechen dieser Art steht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Bewährung ist nur bis zu maximal zwei Jahren möglich.

Kleinere Indoor-Treibhäuser samt Zubehör sind im Internet frei verkäuflich. Illegal wird die Hobbygärtnerei in dem Moment, wo stark THC-haltiger Hanf angebaut wird, um daraus das Betäubungsmittel Marihuana zu gewinnen. THC ist der Name des Wirkstoffs. „Es war ein Versuch, wir wollten’s einfach mal probieren“, erinnert sich ein Angeklagter. „Über das Ergebnis, den hohen THC-Gehalt, waren beide selbst überrascht“, so Verteidiger Ralf Jordan.

Verräterischer Duft im Treppenhaus

Aufgeflogen waren die zwei Hanfzüchter, weil es im Treppenhaus roch. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sich bei ihnen um blutige Laien handelte. Profis arbeiten nämlich mit Aktivkohlefiltern, um die verräterische Geruchsentwicklung zu verhindern.

Mit Drogen haben die Männer heute nach eigenen Angaben nichts mehr zu tun. Richter Stumpe schließt aus, dass sie regelmäßig Drogen konsumieren. Vorbestraft ist keiner von ihnen, beide haben Arbeit. Strafmildernd wirkten sich die Geständnisse aus. Zugunsten der Angeklagten ging das Gericht außerdem davon aus, dass die Drogen für den Eigenkonsum bestimmt waren, nicht zum Verkauf.

Von einem Kavaliersdelikt kann trotzdem keine Rede sein. „Eine abstrakte Gefahr“ sieht Richter Stumpe darin, „dass solche Mengen überhaupt in die Welt gelangen“. Im Gegensatz zu Verteidiger Jordan und dessen Kollegen Alexander Berndt gehen weder Stumpe noch Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt von einem minder schweren Fall aus. ly

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