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Der Ursprung des Bades

Bad Nenndorf / Serie „Kurpark im Wandel“ - Teil 1 Der Ursprung des Bades

Der Bad Nenndorfer Kurpark befindet sich derzeit im Umbruch. Die seit etwa zehn Jahren diskutierte Sanierung der grünen Oase im Herzen der Kurstadt hat nach Promenade und Landschaftspark nun auch den unteren Bereich erfasst. Die Schaumburger Nachrichten widmen sich in der Serie „Kurpark im Wandel“ den Veränderungen, die der Landschaftsgarten in gut 200 Jahren erfahren hat.

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Aus der Luft wird der Charme der barocken Anlage deutlich: Das Badehaus steht dem Kurhaus exakt gegenüber.

Quelle: pr.

Bad Nenndorf. Teil 1: Die Esplanade.

Die Esplanade (spanisch für Promenade) ist der Ursprung des Nenndorfer Badebetriebs. Dort begann Ende des 18. Jahrhunderts die Umwandlung von Ackern und sumpfigen Wiesen zu einem Park. Zwar waren die dortigen Schwefelquellen auch davor schon als Heilquellen bekannt gewesen, doch erst 1789 machten sich Arbeiter unter Regie des Hessischen Hofarchitekten Simon Luis Du Ry daran, den Bereich zwischen heutiger Promenade und Hotel Esplanade zu ebnen. Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel hatte den Auftrag erteilt.

Kurpark-Experte Henning Dormann erklärt, dass die ersten Gebäude des keimenden Heilbads das Landgrafenhaus (ab 1791 Residenz des Landgrafen), das Haus Kassel (ab 1791 Restaurant und Hotel), das Logierhaus oberhalb der heutigen Promenade und damaligen Hauptstraße (1789 errichtet, ab 1876 Kurhaus) sowie der Marstall (ab 1790 Unterkunft für Kutschen) waren. Hinzu kamen die Arkaden im Bereich der jetzigen Wandelhalle und eine Galerie dort, wo heute das Boulodrom ist.

Im Jahr 1790 ließ der Hessische Hofgärtner George Wilhelm Homburg die amerikanischen Linden pflanzen, die in versetzten Reihen den Bereich zwischen den Arkaden und dem Landgrafenhaus prägten. Dort sollten die Kurgäste spazieren gehen und Schwefelwasser trinken. Eine überdachte Badequelle stand dort, wo heute von der Promenade aus gesehen das Hamburger Dach beginnt. Die Trinkwasserquelle befand sich aber am Brunnentempel, der immer noch an Ort und Stelle zu finden ist. Allerdings wurde der Ausschank des Schwefelwassers im 19. Jahrhundert in die Arkaden beziehungsweise in die Wandelhalle verlegt. Heute gibt‘s das Schwefelwasser im Haus Kassel.

Der erste Badeschuppen stand bereits seit 1787 dort, wo später das Hotel Esplanade entstand. Dessen gerundete Form ist laut Dormann darauf zurückzuführen, dass anstelle des Badeschuppens 1789 zwei Badehäuser schräg aufeinander zuführend positioniert wurden, die man 1791 mit einem Mittelbau verband. Diese Konstellation sollte das später erbaute Badehaus nachempfinden. Das „Neue Große Badehaus“ (heute Hotel Esplanade) entstand im Neo-Rokoko-Stil und bekam ebendieselbe Grundform. 1912 folgte die Musikmuschel.

Apropos Stil: Du Ry hatte eine spätbarocke Gebäudeanlage errichtet, Platz und Gebäudeanordnung waren noch symmetrisch. Als diese in den 1960er und 1970er Jahren umgestaltet wurde, hielten die Bauherren nicht viel auf Stilfragen. Sowohl die Wandelhalle (1960 erbaut) als auch das Hamburger Dach verkörpern den „Chic“ der sechziger und siebziger Jahre. Ebenso das Wabenmuster, das fortan den zentralen Bereich prägte. Sitznischen, Wälle und Dach statt Bäumen also. Lediglich die unterste Linden-Reihe blieb verschont.

Diese Bäume fielen in Vorbereitung der jetzt begonnenen Sanierung. Der in den siebziger Jahren gestaltete Bereich ums Hamburger Dach war in die Jahre gekommen, eine erneute Umgestaltung sollte her. Nach kontroversen Diskussionen im Rat der Stadt einigten die Politiker sich auf eine Kompromiss, der zum Teil aufs Ursprüngliche zurückgeht: Baumreihen im Abstand der einstigen Linden sollen gepflanzt werden, eine wassergebundene Decke den zuletzt prägenden Asphalt ersetzen. Die Hügel und Sitznischen verschwinden wieder zugunsten einer leicht geneigten Ebene. Die wassergebundene Decke sorgt für ein angenehmeres Gehgefühl, im Gegensatz zum harten Asphalt.

Das Hamburger Dach bleibt, obwohl der Denkmalschutz es lieber gesehen hätte, wenn der Unterschlupf verschwände. Er verstellt unter anderem eine Sichtachse zwischen dem Eingang des Hotels Esplanade und der Kurpromenade, wo einst das Kurhauses dem Badehaus direkt gegenüber stand.

  • Haben Sie historische Fotos vom oder Kindheitserinnerungen an den „alten“ Kurpark? Erzählen Sie uns ihre ganz persönliche Geschichte. Das Redaktionsbüro der SN im Haus Kassel ist telefonisch unter (0 57 23) 9 08 41 72 zu erreichen.
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