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Bad Nenndorf Der schillernde Pazifist
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00:21 01.06.2015
Erich-MariaRemarque. Quelle: pr.
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Bad Nenndorf. Remarque, der 1898 als Erich-Paul Remark zur Welt kam, wird heute meist auf seinen berühmtesten Roman, „Im Westen nichts Neues“, reduziert, in dem der Autor seine eigenen Kriegserfahrungen verarbeitet und der ihn weltberühmt machte. Dabei ist Remarque aus heutiger Sicht noch aus anderem Grund von großem Interesse: Der Romancier lebte seit der Machtergreifung der Nazis im Exil. Das Themenfeld Flucht und Emigration spielt in Remarques späterem Werk eine zentrale Rolle.

Zunächst lebte der Schriftsteller in der Schweiz, siedelte dann in die USA über. Ab 1948 residierte Remarque wechselweise in der Schweiz und in den USA. Wegen seines Wohlstands und seines glamourösen Lebensstils – er hatte Affären mit Marlene Dietrich und Greta Garbo, bis zu seinem Tod war er mit Paulette Goddard liiert – liegt die Assoziation zu den Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen dieser Tage zwar fern. Doch es gelang Remarque in den Romanen „Arc de Triomphe“, „Liebe Deinen Nächsten“ und „Die Nacht von Lissabon“ die Schicksale vom Krieg entwurzelter Menschen nachzuzeichnen.

Das posthum veröffentliche – und zuvor vom Verfasser nicht autorisierte – Buch „Schatten im Paradies“ geht noch einen Schritt weiter. Es beleuchtet die Emigrantenszene in den USA und gibt einen Eindruck davon wieder, wie schwer es heimatlos gewordenen Menschen fällt, in der Fremde ein neues Leben aufzubauen. Der Blick in die Psyche der Figuren macht Remarques Werke bis heute lesenswert.

In der Literaturwissenschaft hatte dieser es stets schwer, nicht nur, weil seine Lebensführung nicht den Vorstellungen davon entsprach, wie ein ernsthafter Autor zu leben hatte. Auch sein Schreibstil ließ Kritiker die Nase rümpfen. Remarques KZ-Roman „Der Funke Leben“ veranlasste Heinrich Böll zu der Einschätzung: „Heißes Eisen in lauwarmer Hand.“ Remarque verteidigte seine teils belletristische Neigung unter anderem damit, dass seine Bücher so ein größeres Publikum erreichen.

Remarque-Kenner halten dessen Romane für klar unterbewertet. Vielfach werde die feine Symbolik – beispielsweise in „Arc de Triomphe“ – übersehen. „Der schwarze Obelisk“ gilt bei Anhängern als tiefschürfende Aufarbeitung deutscher Geschichte vom Deutschen Bund bis zur Weimarer Republik und als Mahnung in den Zeiten der Aufrüstung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bis zum 15. Juli sind die Exponate dienstags bis donnerstags in der Sparkasse zu sehen. gus

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