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Bad Nenndorf „Draußen vor der Tür“: Nachdenkliches großartig inszeniert
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf „Draußen vor der Tür“: Nachdenkliches großartig inszeniert
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00:16 20.01.2015
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Von Karl-Heinz Werner

Nach Beckmanns verzweifeltem Schrei „Gibt denn keiner Antwort?“, folgte minutenlange betroffene Stille im Saal, dann erst brandete der verdiente enthusiastische Beifall des ergriffenen Publikums auf. Was für ein kluges Regiekonzept hat Regisseur Christian Krause mit seiner Theatertruppe umgesetzt und jede einzelne Szene sorgfältig einstudiert.

Einfach genial die Idee, nach klassisch griechischer Theaterstruktur einen Chor einzufügen und diesem Rollenfunktion zuzuweisen. Fünf Schülerinnen, einheitlich schwarz gekleidet mit Kapuzen und weiß maskierten Gesichtern, meisterten das Chorsprechen vorbildlich, sei es als Stimme des Gewissens oder als Claqueure beim Kabarettdirektor.

 Gelungen auch der Regieeinfall, die Hauptrolle des Beckmann von drei Schülern spielen zu lassen – kongenial ergänzten sich Malik Si Merabet, Thorge Sommerfeld und Bastian Stiller – das muss man gesehen und gehört haben. Zu hören, wie hier Sprache gelebt und vermittelt wird, immer wieder eine totale Identifikation mit der jeweiligen Situation – so etwas erlebt man nicht alle Tage im heutigen Theaterbetrieb.

 In den einzelnen Kabinettstücken spürt das Publikum die intensive Rollenarbeit: überzeugend Carina Fricke als spießbürgerliche Frau Kramer, Janina Eberding als neumodisch überdrehter Kabarettdirektor, Hanja Schneider als Schutz anbietendes Mädchen und Sebastian Südekum als aalglatt-arroganter Oberst.

 Nicht nur sprachlich souverän agierte Thomas Lehmann als „Der Andere“. Frisch und überzeugend verkörperte er das Prinzip Hoffnung in dieser tristen Zeit – eine Idealbesetzung. Erschütternd auch die Szene mit dem im Rollstuhl sitzenden Gott, hier: Frau Göttin, die sich mit Toten überfressen hat. „Wo warst Du, Gott, in diesem Krieg ?“

 Ein nachdenkliches Drama von dem so früh verstorbenen Wolfgang Borchert, das an Aktualität aber auch gar nichts verloren hat – so auch im Eingangsstatement der Theater-AG, das Thomas Lehmann souverän mit Hinweis auf die aktuellen Kriege an den Rändern Europas vortrug.

 Weitere Aufführungen sind für Dienstag und Freitag, 20. und  23. Januar, im Forum des Gymnasiums Bad Nenndorf geplant. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

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