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Drei Jahre Haft für Drogenkoch

Bad Nenndorf/Stadthagen / Vor Gericht Drei Jahre Haft für Drogenkoch

Ein 33-Jähriger aus Bad Nenndorf hat nicht nur Abnehmer im gesamten Landkreis mit synthetischen Drogen versorgt, sondern auch Süchtige in anderen Bundesländern. Davon geht Richter Kai Oliver Stumpe aus. Das Schöffengericht in Stadthagen, dessen Vorsitzender Stumpe ist, hat den mutmaßlichen Drogenkoch mit eigenem Labor jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt.

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Quelle: dpa

Bad Nenndorf/Stadthagen. Rechtskräftig ist die Entscheidung indes noch nicht. Verteidiger Elmar Brehm hat bereits Berufung eingelegt. Vor dem Bückeburger Landgericht wird der Fall, der Parallelen zur mehrfach preisgekrönten Fernsehserie „Breaking Bad“ aufweist, demnächst neu aufgerollt. Brehm hatte Freispruch beantragt. Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt forderte dagegen dreieinhalb Jahre Haft.

Gegen den Angeklagten spricht die Menge
„Gegen den Angeklagten spricht die ungeheure Menge, die er hätte herstellen können“, so Richter Stumpe. Im Garten des Nenndorfers waren 2,8 Kilogramm eines Vorproduktes der Modedroge „Crystal Meth“ gefunden worden. Dies hätte für 2,2 Kilo reinstes Amphetamin in Pulverform gereicht. Für den Straßenverkauf wäre der „Stoff“ auf die zehnfache Menge gestreckt worden. Wert: rund 290 000 Euro.
Der Angeklagte hatte behauptet, er habe mit dem gelben Granulat seine Büsche im Garten gegen Hunde abstreuen wollen, was das Gericht ihm schlicht nicht abnimmt. „Niemand stellt dafür 2,8 Kilogramm her“, sagte Stumpe. Zu diesem Zweck produziert, würde eine solche Menge übrigens rund drei Millionen Euro kosten. „Ein rein theoretischer Wert, weil es dafür keinen Markt gibt“, wie der Richter einräumte.
Im Fall des Granulats war es beim Versuch geblieben. In zwei weiteren Fällen hatte der Familienvater das Rauschgift nach Überzeugung des Gerichts dagegen auch hergestellt, wobei die genaue Menge offenbleibt. Als untrügliches Indiz gelten Spuren von Amphetamin in Pulverform, auch bekannt als „Speed“, die Handschuhen und einer Schutzmaske anhafteten. Ansonsten fand sich daran ausschließlich die DNA des 33-Jährigen.

Auch dem Bruder droht ein Verfahren
Dessen Bruder, verurteilt wegen Besitzes von Betäubungsmitteln, wollte dem Gericht weismachen, er habe das Labor benutzt, um dort die Qualität gestreckter Drogen nachträglich zu verbessern. Abgesehen davon, dass das nicht funktioniert, fand sich in der Wohnung keine zweite Schutzmaske, obwohl die Polizei das Haus auf den Kopf gestellt hatte. Dem Bruder droht nun ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage.
Um seine Unschuld zu beweisen, hatte der Angeklagte unterschiedliche Produkte aus angeblich eigener Herstellung auf den Richtertisch gelegt – von einem „unsichtbaren Handschuh“ über Scheibenfrostschutz bis hin zu Handwaschpaste. Dafür will der Nenndorfer den Extrakt gebraucht haben, nicht zum Kochen von Drogen.
Genommen wird „Crystal Meth“ oft vor dem Besuch von Diskotheken. Konsumenten versprechen sich davon, beim Tanzen länger durchzuhalten. In der US-Serie „Breaking Bad“ wird ein Chemielehrer mit Lungenkrebs im Endstadium zum Drogenboss, um die Zukunft seiner Familie zu sichern. Der Nenndorfer hat die Existenz seiner Familie wohl eher in Gefahr gebracht.  ly

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