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Bad Nenndorf Drogenkoch in Teufels Küche
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Drogenkoch in Teufels Küche
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00:25 01.05.2014
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Bad Nenndorf/Bückeburg

In erster Instanz sei der Angeklagte „ganz furchtbar schlecht beraten“ gewesen, so Richter Thorsten Garbe, Vorsitzender der Berufungskammer am Landgericht in Bückeburg. Hartnäckig hatte der Nenndorfer die Vorwürfe damals bestritten und sogar behauptet, er habe das Granulat zum Schutz vor Hunden unter Büsche streuen wollen (wir berichteten).

 Im Garten des Drogenkochs waren 2,8 Kilogramm eines Zwischenproduktes der Modedroge Crystal Meth gefunden worden, bekannt aus der US-Fernsehserie „Breaking Bad“. Allein davon hätten laut polizeilicher Hochrechnung Drogen im Wert von rund 290000 Euro hergestellt werden können.

 Zwischenzeitlich hat der Angeklagte den Anwalt gewechselt. Sein neuer Verteidiger Ralf Jordan hat ihm offenbar zu einem Geständnis geraten, das den 34-Jährigen vor dem Gefängnis bewahrte. Demnach hat der Nenndorfer anfangs Rauschgift hergestellt, damit sein schwer drogensüchtiger Bruder es nicht bei zwielichtigen Dealern auf der Straße kaufen musste. Später wollte er Amphetamin im größeren Stil produzieren, vermutlich zum Weiterverkauf an Dritte. „Manchmal ist der Teufel der Berater“, meinte Verteidiger Jordan.

 Für einen Verbrecher hält das Gericht den Familienvater nicht. „Er ist da reingerutscht“, glaubt Richter Garbe, „vielleicht durch den drogensüchtigen Bruder.“ Mittlerweile habe der Angeklagte seine Lektion gelernt und werde die eigene bürgerliche Existenz nicht noch einmal auf Spiel setzen. „Das war ein verdammt großer Fehler.“ Von einem Kavaliersdelikt kann indes keine Rede sein. „Drogendelikte“, so Garbe, „bringen Not und Elend über andere Menschen.“

 Der Angeklagte, nach eigenen Angaben auch von wissenschaftlicher Neugier getrieben, verspricht hoch und heilig, dass so etwas nie wieder vorkommt. „Mit Chemie habe ich abgeschlossen und mich in Richtung Physik orientiert“, erklärte er. Das Urteil empfindet der 34-Jährige als gerecht: „Dummheit muss bestraft werden.“ Damit die Bewährungsstrafe nicht bloß auf dem Papier steht, muss der Verurteilte drei Jahre lang jeden Monat 50 Euro an die Drogenberatung überweisen. Dies ist eine der Auflagen.

 Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig hatte ebenfalls auf Bewährung plädiert. Weil der angeklagte Bad Nenndorfer keine Vorstrafen hat, Reue zeigt, geständig ist, arbeitet, in einer festen Beziehung lebt und seit der Tat zwei Jahre vergangen sind, sieht Dreißig „alle Weichen für eine positive Sozialprognose gestellt“.

 Das Gericht hat die Strafe von drei auf zwei Jahre reduziert. Nur bis zu dieser Höhe ist Berufung überhaupt möglich. ly

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