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Eine halbe Sekunde zu spät gelenkt

Bad Nenndorf/Bückeburg Eine halbe Sekunde zu spät gelenkt

Am tödlichen Unfall von Bad Nenndorf trägt der Angeklagte strafrechtlich keine Schuld. Verurteilt hat die Berufungskammer am Bückeburger Landgericht den Rentner (65) gestern lediglich wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, weil er am Ende des Überholvorgangs fast in den Gegenverkehr gerast wäre.

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Bad Nenndorf/Bückeburg (ly). Dafür muss der Mann aus Hohnhorst 1800 Euro Geldstrafe zahlen, zwei Monatseinkommen. Hinzu kommen drei Monate Führerscheinsperre.

Nach Überzeugung der Berufungsrichter geht die Katastrophe auf einen Fehler des anderen Autofahrers zurück, der drei Angehörige verloren hat. Gegen die Entscheidung ist allerdings noch Revision möglich. Dass Staatsanwalt Frank Hirt und die drei Anwälte der Nebenklage das Urteil akzeptieren werden, gilt als unwahrscheinlich. In erster Instanz hatte das Schöffengericht Stadthagen zweieinhalb Jahre Haft verhängt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen.

Aus moralischer Sicht kann man dem 65-Jährigen einen Vorwurf machen. So sieht es auch das Gericht. Am Karfreitag 2010 hatte der Hohnhorster im Ausflugsverkehr auf der Bundesstraße 442 eine voll besetzte Limousine überholt, anstatt das Manöver abzubrechen, als der Fahrer des anderen Autos Gas gab. Der Angeklagte, so Richter Jens Rass, trage eine moralische Mitschuld, weil er sich auf dieses Duell eingelassen habe. „Die Kammer hat sich jedoch nicht an moralische Standpunkte zu halten, sondern an rechtliche Ansätze.“

Entscheidend für die neue Bewertung des Falles war das Gutachten eines vom Gericht bestellten Sachverständigen. Anders als im ersten Prozess kam der Experte zu dem Schluss, dass der Rentner die Limousine mit seinem 200 PS starken Roadster im Bereich einer Linkskurve nicht geschnitten hat. Der Unfall könne ihm nicht angelastet werden, hieß es im Urteil.

Bei einer Geschwindigkeit zwischen 117 und 127 Stundenkilometern war der BMW einer Familie aus Suthfeld nach rechts von der Fahrbahn abgekommen, gegen einen Baum geprallt und fast in zwei Teile zerrissen worden. Im tragischen Moment, so Richter Rass, sei der Roadster bereits zwei Fahrzeuglängen voraus gewesen.

In den Trümmern starben die Frau (24) des Fahrers, deren Schwester (16) und ein anderthalb Jahre alter Sohn des Ehepaares. Der Mann und eine dreijährige Tochter überlebten verletzt. In das Wrack, das zurück auf die Bundesstraße geschleudert worden war, knallte noch ein Motorradfahrer, der Knochenbrüche erlitt. Dem Gutachten zufolge ist es zu dem tödlichen Unfall gekommen, weil der Familienvater einen Fahrfehler gemacht hat: Er hätte 0,5 Sekunden früher nach links lenken müssen, wie Rass erklärte.

Der Mann im Roadster hatte die Kurve etwa mit Tempo 140 durchfahren, gerade an der Grenze. Fast wäre es zwischen Kreuzriehe und Bad Nenndorf zum Frontalzusammenstoß mit einem Auto gekommen, das aus der Gegenrichtung kam, besetzt mit zwei Frauen. Die Fahrerin musste nach rechts ausweichen. „Um ein Haar hätte es drei weitere Tote gegeben“, sagte Rass.

Verteidigung und Nebenklage hatten drei Tage lang mit harten Bandagen gekämpft. Einig waren sich Verteidiger Oliver Theiß und Opferanwalt Ralf Jordan in ihrer Einschätzung, dass die „180-Grad-Kehrtwende“ (Theiß) des Gutachters „ein Skandal“ sei. Seit Ende Januar hatte der Angeklagte mit einem Bein im Gefängnis gestanden, während Jordans Mandant mit der bitteren Erkenntnis leben muss, einen Fehler mit entsetzlichen Folgen gemacht zu haben.

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