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Bad Nenndorf / Antisemitismusbericht

Erinnern stärkt die Demokratie


Wie alltäglich rassistisches und menschenverachtendes Denken in der Gesellschaft ist, zeigt nicht nur der am Montag in Berlin vorgestellte Antisemitismusbericht.
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Irmela Mensah-Schramm (rechts) führt Interessierte durch ihre Ausstellung.

© kcg

Bad Nenndorf. Auch den Besuchern der Ausstellung „Hass vernichtet“ in der St.-Godehardi-Kirche ist gestern beim Betrachten der Fotos von Irmela Mensah-Schramm schnell bewusst geworden, dass sich nazistische Ideologien auch 67 Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur hartnäckig in der Gesellschaft halten.

 Mensah-Schramms Bilder zeigen an Häuserwände geschmierte Hass-Parolen und Aufkleber mit rechtsradikalen Sprüchen. Die Berlinerin hat die Parolen fotografiert, bevor sie die Hass-Propaganda abriss, übermalte und unkenntlich machte. Mehr als 49000 Aufkleber hat die 65-Jährige in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland entfernt, mehr als 14000 Fotos dokumentieren das menschenverachtende Gedankengut. Oft sei sie für ihr Engagement bedroht und angefeindet worden, erklärte die Aktivistin während ihrer Rede.

 Mensah-Schramm war am Freitag anlässlich des Holocaust-Gedenktages in der Kurstadt zu Gast, eingeladen von „Bad Nenndorf ist bunt“ und der St.-Godehardi-Gemeinde. „Viele Bürger fühlen sich durch mein konsequentes Handeln belästigt. Aber mir bleibt das gute Gefühl, der geistige Dreck ist weg“, berichtete Mensah-Schramm. Nazi-Parolen mit Aufklebern zu verbreiten habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, denn „Meinungsfreiheit hat Grenzen. Sie endet, wenn Hass und Menschenverachtung beginnen“.

 Besorgt ist Mensah-Schramm über den Anstieg islamfeindlicher Schmierereien nach der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch. In Bad Nenndorf habe sie übrigens noch keine rassistischen Sprüche an Häusern oder Bushaltestellen entdeckt. „Das ist schon toll“, wenn sie bedenke, an wie vielen Orten sie bereits mit Pinsel und Schaber zu Werke gehen musste.

 Auch Jürgen Uebel, Sprecher von „Bad Nenndorf ist bunt“, Pastor Achim Schultz-Waßmuth, Bürgermeisterin Gudrun Olk, Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese und Marina Jalowaja von der jüdischen Gemeinde beteiligten sich an der Feierstunde zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Sich am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz immer wieder an die Verbrechen der Nazis zu erinnern, stärke die Demokratie und die Menschenrechte, formulierte Jalowaja. „Gedenken schafft Orientierung für die Zukunft.“ Die beste Versicherung gegen Faschismus und Rassismus bleibe die Erinnerung und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte.

 Die Ausstellung „Hass vernichtet“ ist noch bis Sonntag in der St.-Godehardi-Kirche zu sehen.

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