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Bad Nenndorf Experten ratlos nach Wildunfällen
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Experten ratlos nach Wildunfällen
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00:16 25.12.2016
Auf der Autobahn bei Bad Nenndorf starben binnen weniger Tage 16 Wildschweine. Quelle: göt
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BAD NENNDORF

Am 13. Dezember verendeten sechs Tiere bei einem Unfall auf der Autobahn (wir berichteten). Nun stellte sich heraus, dass es insgesamt im Zeitraum vom 6. bis 13. Dezember sieben Unfälle mit Wildschweinen auf einem kleinen Abschnitt der Autobahn gab. Es krachte immer auf Höhe der Rastanlage Bückethaler Knick bis etwa einen Kilometer weiter Richtung Wunstorf.

Die Unfälle stehen teilweise in einem zeitlichen Zusammenhang, sodass die Polizei von drei größeren Unfällen mit drei Wildschweinrotten an drei Tagen spricht. In beide Richtungen wurde ab dem 13. Dezember vor Wildwechsel gewarnt und das Tempo wurde auf 80 Stundenkilometer begrenzt. Die Schilder sind inzwischen wieder abgebaut, nachdem es zu keinen weiteren Unfällen gekommen ist. Die 16 Tiere wurden allesamt von der Autobahnmeisterei Lauenau entsorgt.

Warum es zu der Häufung kam, ist ungewiss. Zurzeit suchen die Tiere auch außerhalb der Wälder nach Nahrung, erklärte Forstamtsleiter Lothar Seidel. Ganz allgemein könnten Spaziergänger, Hunde, Landwirte, Forstbetriebe, Jäger und vieles mehr eine Beunruhigung für die Tiere darstellen. Auch ein Hindernis auf den Wechselwegen kann Grund dafür sein, dass die Wildschweine andere Wege einschlagen.

Keine Erklärung vorhanden

Mit der Erweiterung der Rastanlage Bückethaler Knick habe die gestiegene Zahl der Unfälle allerdings nichts zu tun, sagen sowohl Detlef Nagel von der Autobahnmeisterei Lauenau als auch erfahrene Jäger wie Heinrich Michel aus Bantorf. Er ist seit 1990 Jagdpächter in diesem Bereich der Autobahn. „Das ist sehr ungewöhnlich, normalerweise meiden Wildschweine die Autobahn“, sagt Michel.

Als mögliche Ursache führt er an, dass die Wildschweinpopulation in der Region aktuell sehr groß ist. Kreisjägermeister Michael Schaer kann diese These nur teilweise bestätigen. Die Population sei zwar groß, aber deutlich geringer als vor einigen Jahren. Die Jäger des Landkreises seien immer bemüht, einen unkontrollierten Anstieg der Populationen zu verhindern. Eine zu große Anzahl an Schwarzwild könne zur Gefahr für Menschen werden. Vermehrte Wildunfälle wären eine Folge.

Erklären lässt sich das Verhalten der Wildtiere demnach nicht. Unterm Strich ist diese zeitliche und örtliche Häufung an Unfällen wohl ein Zufall gewesen, sind sich die befragten Fachleute einig. Eine mögliche Gegenmaßnahme wären Wildzäune entlang des Abschnitts. Grundsätzlich gilt bei Wildunfällen: Steuer festhalten, geradeaus lenken und Vollbremsung. „Niemals ausweichen“, mahnt Seidel. göt

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