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Frau schleudert durch Bus

900 Euro Schmerzensgeld nach Beinah-Unfall Frau schleudert durch Bus

Nach einem Beinahe-Unfall auf der Kreuzung Haster Straße/Gehrenbreite in Bad Nenndorf hat Richterin Regina Benz einer dabei verletzten Büroangestellten 900 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Im Kern kommt das Gericht in Stadthagen zu dem Schluss, dass Busfahrgäste, die sitzen, sich nicht pausenlos festhalten müssen.

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In Bussen gilt keine Anschnallpflicht.

Quelle: DPA

BAD NENNDORF.  An jenem 5. April 2016, um den es in dem Zivilverfahren geht, hatte ein Autofahrer einem Regiobus im Kreuzungsbereich die Vorfahrt genommen. Der Mann war nach links in die Haster Straße eingebogen, auf der sich der Bus näherte. Um eine Kollision zu vermeiden, musste der Busfahrer abrupt sehr stark bremsen. Die Büroangestellte hatte auf der vorderen Vierersitzbank gesessen und ein Buch gelesen. Sie wurde gegen die Bank gegenüber geschleudert.

Prellungen am ganzen Körper

 Durch die Wucht des Aufpralls erlitt die Frau Prellungen an Schulter, Oberarm und Knie sowie eine Verstauchung des oberen Sprunggelenks, jeweils auf der linken Körperseite. Etwa zehn Tage lang klagte sie über Schmerzen und war zudem in Sorge, dass eine frühere Halswirbelverletzung wieder aufleben würde.

 Der Autofahrer hatte davon nichts mitbekommen. Er konnte ermittelt werden, weil der Busfahrer sich das Kennzeichen des BMW notiert hatte. Zahlen wollten weder der Autofahrer noch dessen Haftpflichtversicherung. Begründung: Die Klägerin sei für den Personenschaden selbst verantwortlich, weil sie sich nicht den nötigen Halt verschafft habe.

 Das sieht Regina Benz anders. Die Zivilrichterin geht von einem „völlig atypischen Verlauf“ aus. Der Busfahrer, so Benz, habe mindestens eine abrupte, sehr starke Bremsung mit einem Ausweichmanöver nach rechts vollzogen – wenn nicht sogar eine Vollbremsung. Im normalen Regionalverkehr sei damit nicht zu rechnen. Da die Klägerin gesessen habe, habe sie sich ausreichend Halt verschafft, auch wenn sie beim Lesen nicht auf den Straßenverkehr geachtet habe.

Keine Anschnallpflicht in Bussen

 Hinzu kommt: Weil es in Bussen keine Anschnallpflicht gibt, kann nach Überzeugung des Gerichts nicht verlangt werden, dass sich sitzende Passagiere pausenlos festhalten. Dies würde die Sorgfaltsanforderungen an Fahrgäste überziehen. Anhaltspunkte dafür, dass die Büroangestellte zum Zeitpunkt des Bremsmanövers gestanden habe, sieht Regina Benz nicht.

 Bis heute hat sich der Autofahrer, dem das Zivilgericht „einen besonders groben Verkehrsverstoß“ attestiert, beim Opfer nicht entschuldigt. Dies hat Benz bei der Bemessung des Schmerzensgeldes erhöhend berücksichtigt. Schmerzensgeld dient auch der Genugtuung. Das Urteil sieht außerdem vor, dass der Klägerin Attest-, Rezept- und vorgerichtliche Anwaltskosten ersetzt werden.

 Wegen des Vorfahrtverstoßes hat der Beklagte bereits einen Bußgeldbescheid erhalten. Mindernd wirkt sich für ihn außerdem aus, dass er die Folgen der Verletzungen im Prozess nicht mehr bestritt und der Frau damit eine längere Beweisaufnahme ersparte. Verlangt hatte die Büroangestellte 1500 Euro Schmerzensgeld, bekommen 900 Euro. ly

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