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Bad Nenndorf / Pogromgedenken Gegen das Vergessen

Mit einer Feierstunde am jüdischen Mahnmal in der Kurstraße haben etwa 70 Menschen den Novemberpogromen von 1938 gedacht.

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Bad Nenndorf. Neben vielen Bürger waren auch Vertreter der Stadt, der Samtgemeinde, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sowie der jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf anwesend.

Jürgen Uebel, Vorsitzender vom Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ (BNib) und Koordinator der Aktion, empfing die Gäste mit eindringlichen Worten: „Wir müssen die Zeichen erkennen, die der Unmenschlichkeit vorausgehen. Mindestens das sind wir den Opfern schuldig.“

Ihm folgte Ludmilla Nekrassova, stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf. Sie zitierte die Geschichte eines Berliner Anwalts, der die Schrecken der Novemberpogrome am eigenen Leib gespürt hatte. Sichtlich berührt sagte sie, „das der latente Antisemitismus auch heute noch in Teilen der Gesellschaft brodelt“. Sie mahnte an, dass das Leid, dass die nationalsozialistische Ideologie mit sich brachte, niemals vergessen werden sollte.

Auch der neue Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt fand bewegende Worte. „Wir sind zusammengekommen, um zu verhindern, dass sich die Augen der Welt vor dieser unbegreiflichen Wahrheit verschließen.“ Es sei die Aufgabe der heutigen Zeit, den kommenden Generationen einen Weg für ein respektvolles Miteinander zu ebnen. „Auch mit dieser Feierstunde, die nicht als notwendiges Ritual gesehen werden sollte, sondern als Zeichen einer lebendigen Demokratie.“
Nach einem weiteren Redebeitrag von Eckard Wossidlo, Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Gemeinde Bad Nenndorf, der ein Gedicht von Erich Fried vortrug und mit den einprägsamen Worten schloss: „Jeder der mordet, tötet sich selbst“, folgte zum Ende der Veranstaltung eine fesselnde Rede von Gitta Matthes.

Sie erinnerte auf eindrucksvolle Weise an die Menschen, die Widerstand geleistet haben. Stellvertretend für viele andere stehe die Geschichte von Korbinian Aigner. Der bayerische Dorfpfarrer und begeisterte Hobbygärtner habe in den dreißiger Jahren mit seiner Kritik am Nationalsozialismus nicht zurückgehalten und wurde daraufhin ins Konzentrationslager Dachau verschleppt.

„Ausgerechnet dort gelang es ihm, neues Leben in Form von vier neuen Apfelsorten zu schaffen“, erklärte Matthes, Mitglied bei BNib. Er habe es geschafft, eine der Sorten über seine Flucht hinaus zu erhalten. „Diese ist heute unter dem Namen Korbiniansapfel bekannt“, führte Matthes aus. Als Zeichen der Erinnerung, aber auch der Verantwortung, die jeder gegenüber sich selbst und anderen habe, enthüllte Matthes, dass in diesem Jahr ein Korbinians-Apfelbaum hinter das Jüdische Mahnmal gepflanzt wurde.

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