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Bad Nenndorf Geklaute Autos aus der Fälscher-Werkstatt
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Geklaute Autos aus der Fälscher-Werkstatt
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06:16 28.04.2012
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Bad Nenndorf/Lauenau/Bückeburg (ly). „Dass es so ausarten würde, war nicht geplant“, versicherte einer der Angeklagten. Dreh- und Angelpunkt war die Autowerkstatt eines Bandenmitglieds, erst in Bad Nenndorf, später in Lauenau. Der Meister übernahm den handwerklichen Part. Für bis zu 500 Euro pro Auto frisierte er die Nummern um. Als Spender-Fahrzeuge mussten (Unfall-) Wagen gleichen Typs herhalten – samt Papieren. Unterm Strich ging es um etwa ein Dutzend Autos. Die Tatzeit: von März 2006 bis Januar 2008.
Wenn die Justiz aus Personalmangel nicht in die Pötte kommt, muss sie nachher Zugeständnisse machen. Im ersten Prozess vor sieben Monaten hatte das Amtsgericht Stadthagen wegen der langen Verfahrensdauer bereits einen Abschlag gewährt. Drei Urteile, alle mit Bewährungsstrafen, waren danach rechtskräftig geworden.

Hehlerei, Diebstahl, Urkundenfälschung: Nach der jüngsten Entscheidung gegen die übrigen drei Hehler, verkündet in dieser Woche, sieht die Bückeburger Berufungskammer jetzt drei Monate der jeweiligen Freiheitsstrafen als bereits vollstreckt an. So will es bei „rechtsstaatswidrigen Verzögerungen“ der Bundesgerichtshof.

Für einen 32-Jährigen aus Lehrte war Bewährung zum Greifen nah. Selbst schuld: Weil der Angeklagte kürzlich in anderer Sache gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat, muss er die jetzt verhängte Haftstrafe von 23 Monaten absitzen – trotz ansonsten günstiger Sozialprognose.
Erspart bleibt das Gefängnis dagegen einem 37-Jährigen aus Langenhagen, beteiligt an elf Taten. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe von zwei Jahren wird zur Bewährung ausgesetzt. Für den Familienvater spricht, dass er in einer festen Beziehung lebt, einen Job hat und der Arbeitgeber höchst zufrieden ist. „Auf Herrn (...) können wir nicht verzichten“, heißt es in einem Schreiben des Chefs, im Prozess verlesen von Berufungsrichter Jens Rass. Mit einer 21-monatigen Bewährungsstrafe kommt der dritte Angeklagte davon. Dieser hatte den Kontakt zu russischen Autodieben hergestellt.

Wie es so weit kommen konnte, erklärte der Mann aus Langenhagen, einer der Hauptangeklagten. „Ich wollte ein schönes Auto fahren“, bekannte er. Weil der 37-Jährige sich den PS-starken Kompaktsportler jedoch nicht leisten konnte, musste ein Komplize die Finanzierung übernehmen. Als dieser Mann seine Schulden loswerden wollte, fiel der Entschluss: „Wir lassen den Wagen verschwinden.“ Das Fahrzeug wurde bei der Versicherung als gestohlen gemeldet. So nahm die Sache ihren Lauf.

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