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Geldstrafen nach Zugblockade 2013

Nazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf Geldstrafen nach Zugblockade 2013

Der Nazi-Aufmarsch von 2013 beschäftigt noch immer die Justiz. Vor dem Amtsgericht in Stadthagen ging es jetzt um eine spektakuläre Zugblockade auf dem Bad Nenndorfer Bahnhof. Den Zeitplan der Rechten brachten sie dadurch gehörig aus dem Takt, sorgten gleichzeitig aber für stundenlange Zugverspätungen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

BAD NENNDORF/STADTHAGEN. Zwei Antifaschisten aus Hannover hatten ihre Arme in eine mit Beton gefüllte Mülltonne gesteckt. Den Zeitplan der Rechten brachten sie dadurch gehörig aus dem Takt, sorgten gleichzeitig aber für stundenlange Zugverspätungen.

Eine gewisse Kreativität kann man den Linken nicht absprechen, strafbar machten sie sich trotzdem: Eine 27-Jährige muss deswegen 900 Euro zahlen, ein 31 Jahre alter Mann 1200 Euro. So sieht es ein Strafbefehl vor. Verurteilt wurden beide wegen Nötigung von 14 Bahnreisenden, die in einen Bus umsteigen mussten. Der Zugverkehr war an jenem 3. August von 12.20 bis 14.20 Uhr zum Erliegen gekommen. Gegen den Strafbefehl, eine schriftliche Verurteilung, hatten sich die Angeklagten zunächst gewehrt, bevor ihre Anwälte den Einspruch weniger als eine Stunde vor Beginn der Verhandlung per Fax überraschend zurückzogen. Weder die Linken noch ihre Verteidiger kamen nach Stadthagen. Eine Schulklasse, die dem Prozess beiwohnen wollte, hätte sich den Weg sparen können – nach einer Viertelstunde war die Sitzung beendet.

Im Vorfeld hatte die Verteidigung angeregt, beide Verfahren einzustellen. Darauf ließ sich Richter Kai Oliver Stumpe jedoch nicht ein. Im Vergleich etwa mit Sitzblockladen sei dies „eine andere Liga“, so Stumpe.

Der 31-Jährige war damals nach der Ankunft im Eingangsbereich der S-Bahn sitzen geblieben, während die Frau sich auf den Bahnsteig gehockt hatte. Auf der Bahnsteigkante zwischen ihnen stand eine 40 Zentimeter hoch mit Beton gefüllte Mülltonne, die an den Seiten Öffnungen hatte. Im Zement waren Plastikrohre befestigt, in die beide Linke jeweils einen Arm gesteckt hatten. Mit dabei hatten sie einen Rechtsanwalt, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Legal Team“ trug.

Über zwei Stunden standen die Züge

Bei den Sicherheitskräften entstand der (falsche) Eindruck, dass die Gliedmaßen in der Tonne feststeckten. Gegenüber Polizisten sollen die Antifaschisten nämlich erklärt haben, sie seien angekettet und könnten ihre Arme nicht einfach aus der Tonne herausziehen. Um schwere Verletzungen zu vermeiden, forderten die Beamten daraufhin Verstärkung durch Kollegen an, die auf solche Fälle spezialisiert sind. Als eine Fräse zum Einsatz kam, erhielten die Linken Gehörschutz und Schutzbrillen.

Der nachfolgende Zug, in dem Nazis saßen, traf in Bad Nenndorf mit großer Verspätung ein. Bereits am Vormittag desselben Tages hatte eine S-Bahn, die aus Hannover eingetroffen war, ihre Fahrt am Bahnhof der Kurstadt nicht fortsetzen können. Etwa 150 Demonstranten aus dem linken Lager hatten die Türen blockiert. Polizisten mussten den Bahnhof räumen. Mehr als zwei Stunden lang war der Zugverkehr auf der gesamten Strecke Hannover-Bad Nenndorf lahm gelegt. Etwa 100 Nazis mussten die sieben Kilometer von Haste nach Bad Nenndorf zu Fuß gehen – begleitet von der Polizei.

In diesem Jahr hat es keinen Aufmarsch vor dem Winckler-Bad gegeben. Der Justiz bleibt dadurch vermutlich eine Menge Arbeit erspart. ly

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