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Gemeindebriefs „Die Tür“ von der St.-Godehardi-Kirchengemeinde

Ein Bild, das Bände spricht Gemeindebriefs „Die Tür“ von der St.-Godehardi-Kirchengemeinde

Das Titelbild des aktuellen Gemeindebriefs „Die Tür“, herausgegeben von der St.-Godehardi-Kirchengemeinde, enthält eine subtile Symbolik. Ein Kind hüpft beim ausgelassenen Toben von einem früheren Militärbunker auf einen überspülten Strand. Dabei handelt es sich um ein Relikt des Atlantik-Walls.

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Ein kleiner Hüpfer für das Kind, eine große Botschaft für die Gesellschaft.

Quelle: pr.

Bad Nenndorf. Während Europa über neue Abschottungsmethoden diskutiert, zeigt das Bild, dass sich kein Land dauerhaft von anderen abgrenzen kann.

 Der Atlantik-Wall war ein Plan des Hitler-Regimes. Von Spitzbergen bis zur Biskaya sollten militärische Stellungen, Bunker, Minen und anderes Sperrwerk die nordöstliche Seegrenze des Dritten Reichs vor Invasionen schützen. In den besetzten Gebieten ließen die Nazis Zwangsarbeiter schuften, um allein 8119 Bunker anzulegen. Die Festungen haben zwar die Invasion des Reichs erschwert und mutmaßlich die Zahl der Toten im Zweiten Weltkrieg erhöht, doch den Niedergang des Dritten Reichs haben sie nicht verhindert.

 In manchen Teilen der damaligen Besatzungsgebiete haben sich die Menschen bemerkenswerte Umgangsformen mit den Überbleibseln des Atlantik-Walls angeeignet. An der dänischen Küste beispielsweise gibt es noch etliche von den Nationalsozialisten in Auftrag gegebene Betonklötze, doch manche davon sind aus den Dünen auf die Strände gestürzt, weil das Wasser der Nordsee sie unterspült hat. Die Dänen denken aber nicht im Traum daran, den Nazis hinterherzuräumen. Deshalb versinken die Bunker und Stellungen peu à peu im Sand.

 Kinder finden diese Stellen wunderbar zum Spielen. Eine solche Spielszene ist auch auf dem Titelblatt des Gemeindebriefs zu sehen. Die Symbolik ist mehrschichtig, denn einerseits belegen die auch als Mahnung hinterlassenen Betonkonstrukte, dass der Versuch eines Staates, sich gegen die Außenwelt abzuschotten, nicht dauerhaft funktioniert.

 Hinzu kommt die ausgelassene Freude des Kindes über genau diesen Umstand, denn von einem in die Dünen gepflanzten Bunker, mit Stacheldraht umzäunt und mit Soldaten besetzt, könnte das Kind nicht in den Sand hüpfen, dass es nur so spritzt.

 Das Bild passt umso besser in die heutige Zeit, weil es hierzulande Menschen gibt, die die Ausgrenzung der Flüchtlinge aus unserem Staat wünschen. Der umstrittene Stacheldrahtzaun an der ungarischen Grenze dürfte diesen Menschen gut in den Kram passen. Das Bild auf „Die Tür“ legt aber nahe: Auch dieser Versuch der Abschottung wird nicht funktionieren.

 Dass dieser Tage das Bild eines toten Flüchtlingskindes am Mittelmeer die Welt schockieren würde, konnten die Verantwortlichen um Werner Rehse beim Erstellen des Gemeindebriefs noch nicht ahnen. Doch auch als Kontrast dazu verbreitet der Anblick des tobenden Kindes auf dem „Tür“-Titelblatt Hoffnung.  gus

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