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Geschäftsleute ergreifen die Flucht

Bad Nenndorf / Innenstadt Geschäftsleute ergreifen die Flucht

Zahlreiche Gewerbetreibende in Bad Nenndorf, insbesondere im unteren Bereich der Bahnhofstraße, haben in den vergangenen Jahren ihre Geschäfte aufgegeben.

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Der Letzte macht das Licht aus: Der untere Bereich der Bahnhofstraße ist für Gewerbetreibende kein attraktiver Standort mehr.

Quelle: js

Bad Nenndorf. Schuld daran ist die Stadt, kritisiert Vermieter Klaus Pittack. Die Verwaltung teilt diese Ansicht jedoch nicht. Den Vermietern ist Pittack zufolge außer einem aus seiner Sicht schlechten Innenstadtmarketing auch eine „Ladenvermieterabgabe“ zu Jahresbeginn auferlegt worden. Wie hoch diese ist, könne er nicht beziffern.

Was Pittack damit meint, ist eine Satzungsänderung zur Fremdenverkehrsabgabe, mit der außer den Gewerbetreibenden auch die Vermieter von Gewerbeimmobilien zur Kasse gebeten werden. „Die Gemeinde Bad Nenndorf hat 90 Prozent der Kaufkraft in die Gewerbegebiete verlagert“, teilt Pittack darüber hinaus in einer Pressenotiz mit. Je mehr Großgeschäfte sich am Stadtrand angesiedelt hätten, umso weiter sei es für die Einzelhändler der Stadt bergab gegangen.

Hinzu komme, dass durch den Umbau der Bahnhofstraße Parkplätze verloren gegangen seien. Selbst Mietminderungen oder einen Mieterlass auf Zeit hätten Pittacks Mieter an der unteren Bahnhofstraße ausgeschlagen und lieber ihre Geschäfte aufgegeben. „Dies war kein Auszug, sondern eine regelrechte Flucht“, beschreibt Pittack das Verhalten der Gewerbetreibenden.

Mehrere der von Pittack an der Bahnhofstraße vermieteten Ladenlokale stehen jetzt leer. Hinzu kommt die Geschäftsaufgabe der Buchhandlung wenige Meter weiter. Alles in allem mache die Stadt auch viel zu wenig Werbung für ihre Gewerbetreibenden. „An der Autobahn 2 fahren täglich über 100000 Autos vorbei, ohne Bad Nenndorf wahrzunehmen“, schreibt Pittack.

Dabei habe die Stadt links und rechts der Autobahn eigene Flächen für Werbung. Im Großraum Hannover lebten über eine Million Menschen, die Bad Nenndorf jedoch gar nicht mehr wahrnähmen.

Früher sei das Thema Gesundheit in der Kurstadt noch groß geschrieben worden, heute werde es jedoch kaum noch erwähnt. Auch das durchaus vorzeigbare Sportgelände werde kaum noch frequentiert. Früher habe es dort Spiele gegen Hannover 96 gegeben. Dabei lässt der Dehoga-Kreisvorsitzende aber außer Acht, dass beispielsweise am bevorstehenden Wochenende der „Tag des Sports“ mit Vereinen aus dem gesamten Kreisgebiet dort ausgetragen wird.

Stadtdirektor Bernd Reese widerspricht Pittack. Die Stadt mache ausreichend Eigenwerbung. Diese Aufgabe werde auch in Zukunft einen wichtigen Bestandteil der Verwaltungsarbeit bilden. Reese sieht die Verantwortung auch bei den Gastronomen und Händlern. Pittack selbst sei in der Hinsicht eines der guten Beispiele in der Kurstadt.

Ebenso sieht das Hennig Jürgens, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bad Nenndorf, nicht. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt er. Und man könne nicht alles immer auf die Stadt schieben. Die Gewerbetreibenden sollten selbst dafür sorgen, dass sie mit ausreichend Werbung für ihre Geschäfte Kunden anlocken. Und sich um diese bemühen. „Wenn die Kur- und Tourismusgesellschaft die Händler zur Planung eines verkaufsoffenen Sonntags einlädt, und dann sitzen hinterher nur acht am Tisch, spricht das für sich“, sagt Jürgens. on

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