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Getrieben von Angst vor Dämonen

Bad Nenndorf Getrieben von Angst vor Dämonen

In eine ungewisse Zukunft blickt der psychisch Kranke aus Bad Nenndorf, der eine 14-Jährige auf offener Straße mit einem Messer bedroht haben soll.

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Bad Nenndorf/Bückeburg. Die 1. Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht hat die Unterbringung des 29-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet. Ob und wann er wieder freikommt, ist offen. Die Fortdauer der Maßregel wird jährlich überprüft.

„Man kommt relativ schnell in die Psychiatrie – und relativ schwer wieder raus‘‘, so Verteidiger Reiner Wötzel. Vor Gericht hatte Wötzel dafür gekämpft, dass sein Mandant in eine Entziehungsanstalt kommt. Im Gegensatz zur zunächst unbefristeten Unterbringung in der Psychiatrie ist diese Maßregel auf maximal zwei Jahre begrenzt. Der Anwalt sieht die Ursache der rechtswidrigen Taten im Alkoholkonsum des 29-Jährigen, der seit seinem 18. Lebensjahr trinkt. „Erst durch den Alkohol kommt die Aggression zum Ausbruch“, glaubt er. Die Kammer sieht das anders. Nach Überzeugung des Gerichts liegt die Ursache in der Krankheit des Beschuldigten, einer Psychose.

„Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt“, so Richter Norbert Kütemeyer, „würde die Ursache seiner Gefährlichkeit nicht behandeln.“ Der Nenndorfer gilt als Gefahr für die Allgemeinheit, das Risiko eines Rückfalls laut Gutachten als hoch. Bestraft werden kann der 29-Jährige nicht, weil er wegen seiner Krankheit schuldunfähig ist. Zeitweise glaubte er, von Dämonen verfolgt zu werden, die auch seine Kontakte im Internet überwachen.

Mit ihrer Entscheidung gab die Kammer einem Antrag von Staatsanwalt Wilfried Stahlhut statt. In einem vorausgegangenen Prozess im Juni hatte das Gericht den Kranken, der seit 2009 an Schizophrenie leidet, zunächst nicht untergebracht. Weil der Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung strenge Vorgaben macht, erschienen die Hürden zu hoch. Im Fall des 29-Jährigen hat sich das unterdessen geändert.

Nur wenige Tage nach dem vorherigen Urteil hatte der Nenndorfer aus einer Tankstelle unter anderem eine Flasche Wodka gestohlen und die Kassiererin mit der Faust auf den Kopf geschlagen, um flüchten zu können. Polizisten, die ihn danach im Kurpark festnehmen wollten, leistete er heftigen Widerstand. Ein Beamter wurde verletzt.

Bereits im März war der Kranke mit erhobenem Messer in Bad Nenndorf auf eine 14-Jährige losgegangen. Als die Mutter des Mädchens ihn zur Seite drängte, verzog er sich. Seine eigene Familie ging ihm zuletzt aus dem Weg, um keine Wutausbrüche zu provozieren.

Mit der Zeit wurde die Liste der Ausraster immer länger. Als erste Tat hatte der Mann einen Mitarbeiter der Bahn beleidigt. Später warf er mit Flaschen nach Autos, bedrohte seinen Bruder mit einem Messer, versuchte, dessen Tür mit einem Hammer einzuschlagen, ohrfeigte die Kellnerin eines Straßencafés, bevor er schließlich einen Sozialpädagogen mit einem angespitzten Bambusstock am Finger verletzte. ly

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