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Gewerbegebiet auf der Müllhalde

Bad Nenndorf Gewerbegebiet auf der Müllhalde

Sollte das von der Stadt Barsinghausen geplante Gewerbegebiet an der B65 tatsächlich realisiert werden, dann steht es auf einer ehemaligen Mülldeponie.

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Wo bis in die siebziger Jahre hinein die Deponie Landerkamp betrieben wurde, lauern Gefahren im Erdreich.

Quelle: gus

Bad Nenndorf/Waltringhausen. Auf dem Gelände zwischen Autobahn, Bundesstraße und Anfahrt zur Mooshütte waren in den sechziger und siebziger Jahren große Mengen Abfalls abgeladen worden.

Der Waltringhäuser Friedhelm Lockemann erklärte gegenüber dieser Zeitung, er habe dort als Kind mit seinen Spielkameraden zwischen Farbresten, Klebstoffen und Gummistiefeln nach Brettern für Seifenkisten und Buden gesucht. Er geht davon aus, dass erhebliche Altlasten im Erdreich schlummern.

Dies befürchtet auch Werner Tatge, ebenfalls aus Waltringhausen. Der frühere Kommunalpolitiker hatte sich in den neunziger Jahren um die Nachsorge der 20 Jahre zuvor stillgelegten Müllkippe gekümmert. Seinerzeit konnte ihm die zuständige Behörde aber noch keine Ergebnisse mitteilen. Tatge war besorgt, weil der Radbach in dem Bereich verläuft, und er Verunreinigungen in dem Gewässer befürchtete. Die Deponie mit dem Namen „Landerkamp“ war schließlich nicht gerade klein gewesen: 42000 Quadratmeter maß das Areal laut Tatges Unterlagen, 65000 Kubikmeter betrug das Volumen.

Zum Vergleich: Eine andere Müllkippe zwischen Bad Nenndorf und Kreuzriehe war nur 10600 Quadratmeter groß.

Die Recherche unserer Redaktion ergab nun, dass die Region Hannover im Jahr 2013 eine Untersuchung der ehemaligen „Landerkamp“-Deponie vorgenommen hat. Regions-Pressesprecher Klaus Abelmann erklärte auf Anfrage, dass im Erdreich die Überreste von „Haus- und Sperrmüll, Boden- und Bauschutt sowie nicht näher bezeichneter Industrieabfälle“ schlummern.

Die Untersuchung im Jahr 2013 bestätigte Abelmann. Demnach ist die landwirtschaftliche Nutzung des Areals unbedenklich. Da es mit einer zweieinhalb Meter dicken Erdschicht abgedeckt wurde, schließt die Region Hannover im jetzigen Zustand auch eine Gefahr für Menschen aus. Allerdings liege ein „Gefährdungspotenzial für das Grundwasser, vorwiegend durch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Arsen“ vor. Es sei eine zehn Meter tiefe Messstelle eingebaut worden, die bislang jedoch noch keinen Grundwasserfluss registriert habe.

Die Absichten der Stadt Barsinghausen, dort Gewerbe anzusiedeln, sind der Regionsverwaltung bekannt. „Ob eine Bebauung überhaupt möglich ist, wurde mit unseren Untersuchungen nicht geprüft. Hierzu müssten noch Standsicherheits- und Bodenluft-Untersuchungen durchgeführt werden“, so Abelmann. Er gehe jedoch davon aus, dass die einstige Deponie „mit entsprechend ausgelegten technischen Absicherungen“ überbaubar ist. PAK und Arsen sind erst in diesem Jahr versehentlich an einer Baustelle der Deutschen Bahn in Bayern ausgebaggert worden.

Ob die Altlast im Erdreich ein Gewerbegebiet verträgt, wird im Genehmigungsverfahren zu klären sein. Die Stadt Bad Nenndorf und der Landkreis Schaumburg wissen von dem Problem und wollen ein Bodengutachten einfordern. Nur ein kleines Stück oberhalb des Zielgebiets beginnt das Wasserschutzgebiet des Deisters. gus

Grenzwertig

Ein Kommentar von Guido Scholl

Dass das geplante zusätzliche Gewerbegebiet vor den Toren der Kurstadt Bad Nenndorf auf einer ehemaligen Müllkippe entstehen soll, macht das Vorhaben umso problematischer. Manch einer wird noch die Bilder der bis in die siebziger Jahre hinein üblichen Dorf-Schutthalden vor Augen haben: Autos, Chemiefässer, Kanister und Farbeimer lagen darin herum – Umweltschützer bringen solche Erinnerungen noch heute um den Schlaf. Ausgerechnet auf solchem Gelände sollen Gewerbetreibende ihre Gebäude errichten? Die Nachricht, dass zweieinhalb Meter Erde über dem alten Abfall liegen, wirkt dabei wenig beruhigend. Es wäre ein Desaster, wenn zig Tonnen schweren Bauten dazu führten, dass die lauernden Gifte ins Grundwasser gespült werden. Die Region Hannover hegt keine Bedenken, „bei entsprechender Sicherung“ eine Bebauung zuzulassen. Aber was heißt das schon? Der Bund hielt einst auch die Asse für ein mögliches Atommülllager.

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