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Gutachten lässt Angeklagten hoffen

Bad Nenndorf/Bückeburg / Prozess Gutachten lässt Angeklagten hoffen

Im Prozess um den tödlichen Unfall von Bad Nenndorf, bei dem drei Menschen gestorben sind, kann der Angeklagte wieder hoffen. Er hat den voll besetzten Wagen einer Familie nicht geschnitten. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls der offizielle Prozessgutachter, ein Sachverständiger aus Hannover.

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Bad Nenndorf/Bückeburg (ly). Erleichtert zeigte sich daraufhin Oliver Theiß, der Verteidiger des 65 Jahre alten Rentners. Theiß’ Mandant, damals Fahrer eines 200 PS starken Roadsters, soll den Unfall verschuldet haben, indem er die voll besetzte Limousine auf der Bundesstraße 442 beim Überholen nach rechts abdrängte.

Dass die Expertise für den Angeklagten in diesem wichtigen Punkt günstiger ausfällt als vor sieben Monaten, hängt damit zusammen, dass der Gutachter zwischenzeitlich neue Informationen bekommen hat. In erster Instanz hatte das Schöffengericht Stadthagen zweieinhalb Jahre Haft verhängt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen. Das Urteil hat der 65-Jährige angefochten. In der Berufungsverhandlung vor dem Bückeburger Landgericht kämpft er um seine Freiheit.

Weniger gut für den Angeklagten: Der vom Gericht bestellte Sachverständige geht davon aus, dass der Familienvater nicht erst in dem Moment beschleunigt hat, als er überholt wurde, sondern bereits deutlich früher. Im Gegensatz dazu hatte der Rentner behauptet, der andere Mann habe Gas gegeben, als die Fahrzeuge etwa auf gleicher Höhe gewesen seien. Einen Fahrfehler des Familienvaters hält der Gutachter für möglich. So könne der Suthfelder eine Ausweichbewegung am Lenkrad gemacht haben.

Fest steht: Nach den Berechnungen war der Roadster vor dem Unfall bis zu 137 Stundenkilometer schnell, die Limousine zwischen 117 und 127 km/h. Erlaubt in an der Stelle Tempo 100. Durch die Linkskurve, in der es zur Katastrophe gekommen war, ist der Gutachter später probeweise selbst gefahren. Ergebnis: „Bei 125 habe ich sehr geschwitzt.“ Mehr als 140 sei selbst mit einem Sportwagen wie dem BMW Z4 des Angeklagten nicht möglich, denn „die Physik lässt sich nicht überlisten“. Ein anderer Savchverständiger sprach von einer „Hundekurve, weil sie am Schluss enger wird“.

Mit weit überhöhtem Tempo und bei Gegenverkehr hatte der Rentner am Karfreitag 2010 zwischen Kreuzriehe und Bad Nenndorf das Auto der Familie überholt, besetzt mit fünf Insassen. Aus bisher nicht geklärter Ursache kam die Limousine, ein 5er-BMW, nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum, bevor der Wagen zurück auf die Fahrbahn geschleudert wurde, fast in zwei Teile zerrissen. Am Unfallort starben eine Mutter (24), deren Schwester (16) und ein anderthalb Jahre alter Sohn. Der Vater sowie eine Tochter (3) überlebten verletzt.

Drei Gutachter haben den Unfall jetzt rekonstruiert. Zeitweise artete dies in Streit aus. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung bat ein Professor aus München, dass der vom Gericht bestellte Gutachter sich im Ton mäßige. „Das ist mein normaler Ton“, erwiderte der andere Experte trocken. Grund für den Streit: Zuvor hatte der Professor erklärt, das Auto der Familie müsse vor dem Unfall bis zu 155 Stundenkilometer schnell gewesen sein, mindestens aber 135.

„Für meinen Mandanten wird die Geschwindigkeit immer mehr nach oben gepeitscht“, fuhr Opferanwalt Ralf Jordan, der den Familienvater vertritt, den Sachverständigen von der Isar an. „Hier wird das Opfer zum Täter gemacht.“

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