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Hexenholz in der Zwickmühle

Süntelbuchen in Nenndorf und Rodenberg Hexenholz in der Zwickmühle

Wer hat, der hat: Bad Nenndorf ist für seine weltweit einzigartige Süntelbuchenallee bekannt. Touristen kommen dafür teils von weit her angereist. Während andernorts Projekte zum Nachpflanzen des sogenannten Hexenholzes starten, kann sich Bad Nenndorf sicher sein, auch in kommenden Jahren noch als Mekka des seltenen Baumes zu gelten. Dabei monieren Experten, dass die Stadt wenig für den Erhalt der Bäume tut.

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Nenndorf/Rodenberg. Das mutet zunächst ungerecht an, ist die Allee doch vor wenigen Jahren erst auf Initiative Bad Nenndorfs saniert worden. Auch Nachpflanzungen hat es gegeben. Dennoch vermissen die Freunde der Süntelbuche die nötige Begeisterung. Die Allee dient der Stadt als touristisches Merkmal. Bereits dreimal zog die winterliche Illumination über mehrere Wochen Scharen von Besuchern an. Auch bei Lichterfesten wurden die knorrigen Buchen hübsch dekoriert. Und seit Kurzem gibt es eine Ausstellung mit großformatigen Hexenholz-Bildern im Park. Beliebtheit ist Fluch undSegen zugleich

Was der Stadt nützt, schadet den Bäumen aber tendenziell. Denn die Popularität der Buchen bedeutet eine Zwickmühle: Einerseits möchte Bad Nenndorf seinen Naturschatz vorzeigen, doch andererseits wären die emfpindlichen Buchen besser weggeschlossen. Um den besonders sensiblen Wurzelbereich zu schützen, forderten Politiker einen Steg, auf dem die Besucher wandeln sollten. Die Mehrheit war wegen der immensen Kosten dagegen. Hardliner befürworten sogar ein komplettes Zutrittsverbot zur Allee.

Doch niemand kann ständig darüber wachen, ob Kinder beim Klettern die Rinde verletzen oder Verliebte ihre Initialen hineinritzen. Und einem drolligen Knirps das Klettern auf den teils horizontal wachsenden Ästen und Stämmen zu verbieten, würde pedantisch wirken.

In Lauenau hat möglicherweise das Sterben der größten und ältesten Süntelbuche – sie ist mehr als 200 Jahre alt, und der Stamm hat einen Umfang von fast sechs Metern – genau deshalb eingesetzt, weil Menschen die Rinde beschädigten. Auch ein etwas jüngerer Ableger des noch immer prächtigen Baumes ist derart behandelt worden. Und dies wiederum dürfte das Eindringen des Pilzes, der auch den Ur-Baum befallen hat, befördert haben, schätzt Experte Hans-Joachim Roth vom Freundeskreis der Süntelbuchen aus Bad Münder.

Noch maximal 20 Jahre soll die große Buche stehen, viel länger macht es wohl auch der jüngere Ableger nicht. Als dies vor zwei Jahren bekannt wurde, handelten Politiker im Flecken. Bereits 2015 wurde eine neue Süntelbuche gepflanzt. Und da zeigt sich wiederum das wohl entscheidende Problem dieser Bäume: Erst in Jahrzehnten wird sie ihren charakteristischen Wuchs in voller Pracht offenbaren.

Diese Langsamkeit passt schlecht in eine Welt, in der Aufsehen per Mausklick erregt werden kann. „Alles soll schnell Profit bringen“, sagt Rothe. Deshalb werden Projekte wie das Tal der Süntelbuchen, das zwischen Bad Nenndorf und Bad Münder mehrere Standorte mit den einst beinahe ausgestorbenen Bäumen umfassen soll, öffentlich kaum gewürdigt. „Meine Kinder werden das, was Süntelbuchen einzigartig macht, an diesen Bäumen wohl nicht mehr sehen“, sagt Rothe über die jetzt getätigten Nachpflanzungen.

Auch Messenkamp will zum Tal der Süntelbuchen gehören

Außer in Lauenau und an der Allee in Bad Nenndorf ist beispielsweise auch an der Rodenberger Mühle eine solche Maßnahme erfolgt. Selbst kleine Gemeinden wie Messenkamp wollen Teil des Tals der Süntelbuchen, das als Leader-Projekt im Gespräch ist, werden und haben bereits Pflanzungen ins Auge gefasst. Ausgerechnet aus Bad Nenndorf fehlt solch ein Signal noch. Zwar hat der frühere Stadtdirektor, Bernd Reese, Rothe einst zugesagt, dass sich die Kurstadt beteiligt. Doch das war vor seiner Abwahl. Nachfolger Mike Schmidt hatte noch keinen Kontakt mit dem Freundeskreis der Süntelbuchen, bekundete auf Anfrage aber durchaus Interesse.

Süntelbuchen-Förderer müssen Visionäre sein. Das belegt das Beispiel des Bad Nenndorfer Landschaftsgärtners Carl Thon. Dieser pflanzte die Süntelbuchen im dortigen Kurpark im Jahr 1934 und starb 1955. Er hat die Alle nach Einschätzung des Kurpark-Experten Henning Dormann daher wohl nie in der Pracht erblickt, die sie heute zum Touristen-Magneten macht. gus

Nur schön, nicht nützlich

Die Süntelbuche entsteht aus einem seltenen Gendefekt im Saatgut. Weil Menschen den charakteristischen Dreh- und Krüppelwuchs bewunderten, war der Baum lange beliebt, doch aus wirtschaftlichen Gründen verdrängten andere Gehölze die Süntelbuche zunehmend aus den Wäldern. Denn für den Bau und die Möbelfertigung taugt die „Krüppelbuche“ nicht, und weil sie so langsam wächst, ist die Pflanze auch kein guter Brennholzlieferant. 1843 wurde bei Hülsede der letzte große Bestand vernichtet. Anschließend begannen Liebhaber mit Nachzuchtversuchen. Die Arbeit ist so zäh wie der Wuchs des Baumes. Der Freundeskreis der Süntelbuchen hat bei Nettelrede ein Arboretum gegründet, wo die Nachzucht ehrenamtlich betrieben und wissenschaftlich von der Uni Hannover begleitet wird. gus

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