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Hilfe wird zum Bärendienst

750 Euro wegen Widerstands Hilfe wird zum Bärendienst

Erwerbslosigkeit, Fahren ohne Führerschein, Schwarzfahren und drei versäumte Monatsmieten sind für einen Bad Nenndorfer zur Abwärtsspirale geworden.

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BAD NENNDORF. Drei Monate Haft und die Zwangsräumung seiner Mietwohnung in der vergangenen Woche waren das Ergebnis. Ein 36-jähriger Freund, der einen Handwerksbetrieb an der Gehrenbreite geführt hatte, stand ihm die ganze Zeit über zur Seite. Als Rechtsbeistand war der engagierte Mitstreiter aber wohl nicht die beste Wahl, denn sowohl Verhaftung als auch Zwangsräumung wurden durch seinen Beitrag zum Spektakel.

Am Pfingstssamstag nahm das Unheil seinen Lauf. Zwei Polizisten kamen zum Firmengelände an der Gehrenbreite, um den 34-Jährigen zu verhaften, der sich dort aufhielt. „Auch nach meiner Aufforderung waren die Beamten nicht bereit, sich auszuweisen“, erinnert sich der selbsternannte Rechtsbeistand.

Er weigerte sich, die Beamten auf sein Gelände zu lassen. Der jüngere der beiden Polizisten habe das einfach ignoriert und sei unversehens über den Zaun gesprungen. Als der Handwerker daraufhin anfing, ihn mit dem Smartphone zu filmen, versuchte der Polizist, ihm das Gerät abzunehmen.

750 Euro wegen Widerstands

Das Gerangel wuchs sich schnell zum Katz- und Mausspiel aus, an dessen Ende der 36-Jährige im Polizeigriff zu Boden gedrückt wurde und das Smartphone im Streifenwagen landete. 750 Euro wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt kostete ihn das Ganze. Nach der Verhaftung sei der 34-Jährige in der JVA Sehnde für seinen Freund nicht mehr verfügbar gewesen. „Ich habe versucht, ihn zu erreichen und etwas Geld überwiesen, aber die JVA hat mir nur Knüppel zwischen die Beine geworfen“, so der Handwerker.

Verhängnisvoll an der unerwartet langen Haftdauer war, dass der Vermieter begonnen hatte, die drei säumigen Monatsmieten von Januar bis März einzuklagen. Auf ein Versäumnisurteil vom Mai reagierte der Bad Nenndorfer nicht, einen Rechtsvertreter für den Briefverkehr hatte er nach Informationen des Amtsgerichts nicht bestimmt. So kam es, dass nur 14 Tagen nach seiner Entlassung der Gerichtsvollzieher vor der Tür der Wohnung an der Hauptstraße stand. Wieder war sein Freund zur Stelle und stellte sich quer, weil der Gerichsvollzieher keine richterliche Unterschrift vorweisen konnte.

„Das Dokument war eine vollstreckbare Ausfertigung, die ohne Unterschrift gültig ist“, erklärte Gerichtsvollzieher Udo Dollweber dazu. Dem selbst ernannten Rechtsbeistand an der Wohnungstür sei das aber nicht zu vermitteln gewesen. Dollweber rückte daraufhin mit fünf Polizisten an, um den Freund des Mieters aus dem Weg zu schaffen.

„Der Schuldner hatte seine Sachen schon gepackt und sich überhaupt nicht gegen die Vollstreckung gewehrt“, meint Dollweber. Der 34-Jährige kam vorerst bei seinem Freund unter. Der wiederum will seinen Feldzug gegen das „System“ nun mit dem Wort fortführen: Er verfasste einen Brief, mit dem er die Polizei zum Umdenken bewegen will. Amtsgerichtssprecher Kai Oliver Stumpe teilte dieser Zeitung mit, dass er veranlasst habe, dass der 34-Jährige eine adäquate rechtliche Betreuung bekommt. geb

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