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Jurassic Kurpark

Diebstahl der Dinospuren Jurassic Kurpark

Wenn diese Steine reden könnten, dann würden sie spannende Geschichten erzählen: die viele Millionen Jahre alten Dinosaurierspuren am Schlösschen im Bad Nenndorfer Kurpark. Doch die neun Platten haben nicht nur in grauer Vorzeit buchstäblich Eindrucksvolles erlebt. Auch in ihrer jüngeren Geschichte ging es turbulent zu, wie der frühere Parkgärtner Heinz Götze erzählt.

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Heute sind die Trittsiegel neben dem Schlösschen fest einbetoniert.

Quelle: gus

Bad Nenndorf. Gefunden hat die sogenannten Trittsiegel ein Hobbyforscher namens Ferdinand Möller. Dieser schenkte sie vor etwa 60 Jahren dem Staatsbad Nenndorf, das sie im unteren Bereich nahe der Bahnhofstraße platzieren ließ. Zu nah, wie sich herausstellte, denn die Fußspuren „bekamen Beine“ – sprich: Unbekannte stahlen einige.
Als von einst 15 nur noch neun Trittsiegel übrig waren, beschloss der dann verantwortliche Gärtnermeister Götze, die Dinospuren neben das Schlösschen zu verlegen. Dann war erst einmal Ruhe, bis eines Nachts ein Kurgast, der im Schlösschen wohnte, verdächtige Geräusche hörte. Die Frau beobachtete eine Gestalt, die sich an den Steinen zu Schaffen machte und einen davon mit dem Auto abtransportierte. Das war im Herbst 1988.
Dank der Zeugin kam die Polizei dem Dieb nach mühevollen Ermittlungen auf die Spur. Die Geschichte ist beinahe unglaublich, aber Götze schwört, dass sie wahr ist: Ein Lauenauer hatte die Dinospur gestohlen, um sie einem Manager eines italienischen Autokonzerns zu schenken. Der Mann war Hobby-Archäologe. Der Dieb erhoffte sich einen Vorteil, denn er wollte in Lauenau eine Niederlassung dieses Autobauers eröffnen.
Der Adressat zeigte wenig Interesse, vermutlich, weil er ahnte, dass es sich um Hehlerware handelt. Denn Ende des 20. Jahrhunderts waren Dinosaurierspuren nicht mehr so einfach zu bekommen wie zu Ferdinand Möllers Zeiten. Das Staatsbad nahm über italienische Behörden Kontakt zu dem ungewollt Beschenkten auf und verhandelte über eine Rückgabe, die schnell eingefädelt wurde.
Um keinen Verlust auf dem Postweg zu riskieren, reiste aber Heinz Götzes Ehefrau im Frühjahr 1989 nach Italien und holte die Steinplatte selbst ab. Zurück in Bad Nenndorf, wurde der Fußabdruck zusammen mit den acht anderen Trittsiegeln einbetoniert – sicher ist sicher, sagte sich Götze. Es hat funktioniert: Bis heute gibt es neun Dino-Fußstapfen im Kurpark.
Das italienische Autohaus ist in Lauenau übrigens nie gebaut worden. Dem Dino-Dieb wurde der Prozess gemacht. Götze erinnert sich nicht mehr an das Strafmaß, aber daran, dass der Mann verurteilt wurde. Ironie der Geschichte: Die Götzes haben ihren Altersruhesitz heute in Italien und weilen nur noch zeitweise in Bad Nenndorf. Dies hängt aber nicht mit der Affäre „Jurassic Kurpark“ zusammen – die Götzes liebten Norditalien schon immer. Daran änderte auch der Diebstahl nichts.
Übrigens: Dass wirklich einmal Dinosaurier durch das heutige Bad Nenndorf „tigerten“ ist zwar wahrscheinlich, aber nicht belegt. Denn die Spuren im Park stammen eigentlich aus Obernkirchen. gus

Hinweisschild fehlt bis heute

Die bewegte Geschichte der Dino-Spuren war mit der Rückkehr des neunten Siegels aber noch nicht zu Ende. Einige Jahre später verschwand das Hinweisschild, das Kurparkbesucher auf die archäologischen Funde hinweisen und detaillierte Informationen dazu geben sollte. Heinz Götze zufolge störte die Tafel bei der Anlieferung zum Schlösschen. Aus eigener Initiative wandte sich der Pensionär an einen Bremer Universitätsprofessor, um die Inhalte für eine neue Tafel zusammenzustellen. Der Archäologe sorgte dafür, dass alle Angaben zu den prähistorischen Wesen stimmten. Die Vorlage reichte Götze vor einigen Jahren bei der Stadt ein, damit diese ein neues Schild anfertigen lässt. Doch geschehen ist nichts. Götze will nun einen neuen Anlauf nehmen und setzt auf die neue Verwaltungs-Spitze. gus

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