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Knappe Mehrheit: Miegel-Grab bleibt

Bad Nenndorf / Verwaltung Knappe Mehrheit: Miegel-Grab bleibt

Was passiert mit dem Grab von Agnes Miegel? Seit März schwebt diese Frage im Raum, der Rat der Stadt hat jetzt eine denkbar knappe Entscheidung getroffen.

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Das Grab von Agnes Miegel wird nicht eingeebnet. © bab

Bad Nenndorf (kcg). Die Politiker sprachen sich mit elf zu zehn Stimmen dafür aus, die Grabstelle der umstrittenen ostpreußischen Dichterin zu erhalten. Die Stadt soll weiterhin für die Pflege des Grabes aufkommen.

Die CDU-Fraktion brachte die Diskussion über die ehemalige Ehrenbürgerin der Kurstadt auf die Tagesordnung. Da die Liegezeit Ende 2010 abgelaufen ist, das Grab also ohne Nachfolgeregelung eingeebnet werden könnte, beantragten die Christdemokraten, dass Pflege und Unterhalt des Grabes auch in Zukunft von der Stadt übernommen werden

Miegel sei als Dichterin unumstritten, ihr Grab eine „kulturhistorische Gegebenheit“, die auf jeden Fall erhalten bleiben müsse, begründete Friedhelm Brandes nachdrücklich den Antrag. Die Dummheit, mit Adolf Hitler „einem der größten Verbrecher der Weltgeschichte ein Loblied zu schreiben“, habe sie mit Flucht aus Ostpreußen und ihrer Internierung in Dänemark bezahlt.

Als weiteren Grund nannte die CDU in ihrem Antrag die Bedeutung der Grabstelle als Anziehungspunkt für viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene. Miegel sei wegen ihres Schicksals als Vertriebene Symbolfigur für viele Deutsche, die Stadt Bad Nenndorf „sollte die Gefühle dieser vielen Menschen, die in ganz Deutschland verteilt sind, respektieren“. Und mit Blick auf den Aufmarsch von Neonazis in Bad Nenndorf argumentiert die CDU: „Rechtsradikalismus und Neofaschismus werden nicht mit Attacken gegen die verstorbene Dichterin Miegel bekämpft.“

Für Volker Busse (SPD) komme es hingegen nicht in Frage, den Steuerzahler mit den Kosten für Unterhalt und Pflege des Grabes zu belasten. Busse sprach sich dafür aus, dass die Agnes-Miegel-Gesellschaft die Kosten für das Grab übernimmt. „Eine so unumstrittene Dichterin ist Miegel nicht gewesen“, führte der Fraktions-Chef aus. Zumindest nach 1945 „hätte man erwarten können, dass sie sich von der NS-Zeit distanziert“. Auch die FDP kündigte an, gegen den Antrag zu stimmen.

Fraktionssprecher Andreas Fedler apellierte zudem an den Rat, nicht weiter auf Miegels Vergangenheit „herumzureiten“. „Sonst haben wir hier noch ein zweites Wincklerbad.“

WGN-Sprecher Frank Steen unterstützte das Anliegen der CDU. Miegel sei zur Ehrenbürgerin gemacht worden, ihre Werke seien von hohem historischen und literarischen Wert. „Ihre Verdienste für Bad Nenndorf möchte ich als Ratsherr gewürdigt wissen.“

Miegel im Kreuzfeuer der Kritik

Agnes Miegel, ehemalige Ehrenbürgerin Bad Nenndorfs, wird postum vorgeworfen, glühende Verehrerin Adolf Hitlers gewesen zu sein und Blut-und-Boden-Gedichte im Sinne des NS-Regimes verfasst zu haben. Kritisiert wird zudem, dass sie sich nach dem Krieg nie öffentlich vom Nationalsozialismus distanziert hat. Diese Vorwürfe führten dazu, dass in zahlreichen Orten über die Umbenennung von Agnes-Miegel-Straßen diskutiert wird. So hatte der Rat der Stadt Celle bereits Anfang des Jahres beschlossen, den Namen der Balladendichterin aus dem stadteigenen Straßennetz zu verbannen.

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