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Kollateralschaden

Agnes-Miegel-Tage Kollateralschaden

Die Agnes-Miegel-Statue ist seit dem 3. Februar aus dem Kurpark verschwunden, der Stachel sitzt bei den Anhängern der Dichterin aber immer noch tief. Das wurde bei der Mitgliederversammlung der Agnes-Miegel-Gesellschaft am Sonnabend im Hotel Hannover mehr als deutlich.

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Inge Meyer (rechts) gibt aus gesundheitlichen Gründen ihre Aufgabe ab.

Quelle: ber

Bad Nenndorf. Bad Nenndorf. „Es liegt ein schweres Jahr hinter uns“, sagte Vorsitzende Marianne Kopp. Der Stadtrat habe sich von Agnes Miegel distanziert, die 1954 zur Ehrenbürgerin von Bad Nenndorf ernannt worden war. Gegen den Beschluss, die Gedenkstatue aus dem Kurpark zu entfernen, hatte die Agnes-Miegel-Gesellschaft ein Bürgerbegehren gestartet, an dem sich mit 21 Prozent weniger als die erforderlichen 25 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten hatten.

Kopp wies darauf hin, dass 77 Prozent für den Erhalt der Statue im Kurpark gestimmt hatten. Dass nicht genügend Menschen sich an dem Votum beteiligt hatten, sei mit dem schlechten Wetter zu erklären. Schatzmeister Ludwig Kast meinte, dass Bürgerbegehren nur dann eine Chance hätten, wenn am gleichen Tag eine Wahl stattfindet.

Scharfe Kritik übte Kopp an der Berichterstattung in den Medien. Die Presse habe den Abtransport der Statue „triumphierend ausgeschlachtet und sich als Sprachrohr der Agnes-Miegel-Gegner aufgeführt“. Die Podiumsdiskussion in der Wandelhalle sei nur von politischen Ideologen besetzt gewesen.

Im Zuge der Diskussionen um die Statue sei die Agnes-Miegel-Gesellschaft in die Nähe zum Rechtsextremismus gerückt worden. Eine Unterstellung, die Kopp zurückwies: „Wir pflegen die kulturellen Werte und positionieren uns nicht politisch.

Agnes Miegel hat sich einzig den Idealen der Toleranz und Menschlichkeit verschrieben.“ Angesichts einer sieben Jahrzehnte währenden Schaffensperiode sei es unverantwortlich, die Dichterin auf ihr Wirken zwischen 1933 und 1945 zu reduzieren. Im Dritten Reich hatte das NSDAP-Mitglied Agnes Miegel Adolf Hitler in einem Gedicht gepriesen.

Ein Verständnis für kulturelle Werte fehle in Bad Nenndorf offenbar, kritisierte Kopp. Durch die Entfernung der Statue habe die Stadt wohl versucht, das Problem des jährlichen Neonazi-Aufmarsches im Kurpark zu lösen. „Die Verbannung des Denkmals ist als Kollateralschaden zu bezeichnen.“

Den Rücktritt von Inge Meyer begründete Kopp allerdings mit gesundheitlichen Problemen, auch, wenn die Betreuerin des Agnes-Miegel-Hauses von der SPD und Mitgliedern des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“ angefeindet worden sei. „Wir müssen einen Nachfolger finden, was nicht leicht ist. Es ist eine große Aufgabe, das Werk Agnes Miegels lebendig zu halten.“ Meyer betonte, dass ihr die Entscheidung nicht leicht gefallen sei, „aber ich muss jetzt an mich selber denken“.

Auch finanziell spürt die Gesellschaft die Nachwirkungen der Entfernung des Denkmals. Die über eine Tonne schwere Statue an ihren neuen Bestimmungsort, dem Garten des Agnes-Miegel-Hauses, zu bringen, kostet nach Angaben von Schatzmeister Ludwig Kast mindestens 2000 Euro. ber

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