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„Kulturlose“ verschandelten das Kurhaus

Architekt wirbt für Erhalt „Kulturlose“ verschandelten das Kurhaus

Der Architekt und Künstler Norbert Schittek hat sich mit einem Plädoyer für den Erhalt des Kurhauses an Stadtdirektor Mike Schmidt gewandt. Er könne zwar die Bedenken der Ratsleute im Hinblick auf das zu erwartende Minus von 4000 Euro minus jährlich verstehen, dennoch dürfe das wertvolle Bauwerk nicht verschwinden.

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Das Kurhaus rückt wieder ins Zentrum des lokalpolitischen Diskurses.  Foto: gus

Quelle: jemi

BAD NENNDORF. Er respektiere die Bedenken der Ratsleute, doch er sieht in dem Gebäude ein zu wertvolles Bauwerk, um den möglichen Abriss unkommentiert zu lassen.

 Im Ton bleibt der Professor aus Bad Nenndorf in seinem Statement äußerst moderat. Er verweist zwar auf vergangene Sünden, die zu „Zerstörung“ besonders an der Hauptstraße geführt hätten. Dort waren über Jahrzehnte ortsbildprägende Gebäude abgerissen worden. Doch er räumt auch ein, dass der Erneuerungsprozess im Zuge der Innenstadtentwicklung gelungen ist.

Kurhaus darf nicht verschwinden

 Das Kurhaus aber, und da bleibt Schittek seiner bisherigen Haltung treu, darf nicht verschwinden. Der Fachmann bezeichnet es als „eine der bedeutendsten Architekturen der Nachkriegsmoderne“. Erbaut habe es mit Ernst Zinsser „ein bedeutender deutscher Architekt, Professor an der damaligen Technischen Hochschule Hannover.“ Bad Nenndorf könne sich schätzen, ein Bauwerk dieses Mannes im Ort zu haben.

 Auch die historisch-gesellschaftliche Bedeutung unterstreicht Schittek. „Das Kurhaus war ein besonderer Veranstaltungsort des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens dieser Stadt.“ Leider sei das Gebäude durch „kulturlose Eigentümer und Architekten, die diese Berufsbezeichnung nicht verdienen, bis zur Unkenntlichkeit verschandelt worden“.

Minus von 4000 Euro pro Jahr

 Er, Schittek, habe großen Respekt vor demokratischen Entscheidungen. Dies gelte sowohl für den Bürgerentscheid als auch für die politische Nachdiskussion. Doch er würde sich freuen, wenn Bad Nenndorf ein bedeutendes Bauwerk erhalten bliebe. Knackpunkt dabei ist aber, dass selbst bei Vollvermietung ein Minus von 4000 Euro pro Jahr entstünde, wenn die nach jetzigem Planungsstand 7,3 Millionen Euro teure Sanierung umgesetzt würde. So war es im Dezember im Rat diskutiert worden.

 Nur Grüne, Wählergemeinschaft und der Linken-Ratsherr Olaf Buschmann stehen jetzt noch eindeutig hinter dem Erhalt des Kurhauses. Die CDU ist für den Abriss, die SPD will die Zahlen noch genauer prüfen lassen. Die 4000 Euro „Miese“ würden nach Angaben von Kämmerer Frank Behrens etwa 20 Jahre lang anfallen, wobei der genaue Zeitraum schwer abschätzbar sei.

Andere Werte abseits des Geldes

 Schittek lässt sich in seiner Argumentation aber gar nicht auf Wirtschaftlichkeitsrechnungen ein. „Große Ökonomen wissen, wer nur von der Rendite etwas versteht, versteht auch nichts von der Rendite“, schreibt der Professor. Soll heißen: Es gibt auch noch andere Werte abseits des Geldes. Architektur sei ein wesentliches Element der Gemeinschaft. „Dieses Stadtbild muss gepflegt und erhalten werden, unabhängig von Moden und Geschmacksmustern“, so Schittek.

 Stadtdirektor Schmidt sieht in dem Schreiben des Experten „einen wichtigen Beitrag“ zur aktuellen Debatte. Er habe die Worte an alle Ratsmitglieder weitergeleitet. gus

77 Prozent gegen erneute Debatte

77 Prozent gegen erneute Debatte

Innerhalb der Bevölkerung scheint das Vorgehen des Rates auf wenig Verständnis zu stoßen. Dies legt zumindest eine nicht repräsentative Umfrage auf sn-online.de in dieser Woche nahe. Demnach haben 77 Prozent der Teilnehmer kein Verständnis dafür, dass trotz des Bürgerentscheids aufgrund gestiegener Kosten doch wieder über die Kurhaussanierung diskutiert wird. 23 Prozent halten die Debatte für richtig. 259 Stimmen wurden abgegeben. gus

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