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Das schmeckt nicht jedem

Sonntagsöffnungszeiten in der Kurstadt Das schmeckt nicht jedem

Der Sonntagsbraten ist schon in der Röhre, der Tisch gedeckt – fehlen nur noch die Knödel. Doch scheinbar haben diese den Weg vom Einkaufswagen in die Küche nicht gefunden. Wo mancherorts jetzt Improvisation gefragt wäre, können Hobbyköche aus Bad Nenndorf das Problem seit einiger Zeit ganz anders lösen – mit einer kurzen Fahrt in die Innenstadt, wo einige Geschäfte zumindest an bestimmten Daten auch sonntags geöffnet haben.

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Am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet: Der Rewe an der Kurhausstraße.

Quelle: ber

Bad Nenndorf. Rewe fungiert in dieser Funktion als Flaggschiff, denn im Gegensatz zu allen anderen Einkaufsmöglichkeiten in der Kurstadt hat die im vergangenen Jahr eröffnete Filiale tatsächlich jeden Sonntag von elf bis 17 Uhr geöffnet. Und das Angebot wird nach Angaben von Filialleiterin Marèn Hünecke von den Kunden gerne wahrgenommen – und das nicht nur von Kurzentschlossenen, die Knödel vergessen haben.

Denn nach Hüneckes Aussagen ist zum Sonntag mehr Personal nötig als im Rest der Woche. Nicht nur deswegen wurde die Arbeiterschaft auf mehr als 30 Angestellte aufgestockt. Jene haben jedoch auch ein Mitspracherecht, wenn es darum geht, auch an Feiertagen, die auf einen Sonntag fallen, zu arbeiten. Beispielsweise blieb zu Pfingsten der Rewe-Markt geschlossen.
Henning Jürgens, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bad Nenndorf, sieht im sonntäglichen Geschäftstrubel vor und im Rewe allerdings keine Belebung der Innenstadt, wie zum Einführen des Einkaufens am Sonntag propagiert wurde. Vielmehr beobachte er, wie Auswärtige gezielt am Sonntag nach Bad Nenndorf steuern, „um den Wocheneinkauf zu erledigen und danach wieder zu fahren“.

Auch Geschäfte an der Fußgängerzone beteiligen sich

Anders bewertet er jedoch die Sachlage im Fußgängerbereich, „wo man von einer gewissen Belebung“ sprechen könne. Dort haben sich unter Federführung von Silke Busche, Geschäftsführerin der Kur- und Tourismusgesellschaft, die anliegenden Geschäfte vor einigen Jahren darauf geeinigt, von Mai bis Oktober am ersten Sonntag des Monats die Pforten zu öffnen.
Auch Penny beteiligt sich seit einiger Zeit an der Aktion und öffnet an jeweils von acht bis 13 Uhr. „Auswärtige Gäste haben das mittlerweile verinnerlicht, dass man auch an bestimmten Sonntagen über die Promenade schlendern kann“, weiß Jürgens. Das sieht auch André Lutz so: „Der Sonntagsbummel ist eine gute Sache für die Innenstadt und sorgt für eine nette Belebung“, erklärt der Amtsleiter für Bildung und Soziales. Allerdings stehen die Geschäfte nicht in der Pflicht, betont Busche. Je nach Witterung kann so ein angepeilter Sonntag auch mal ins Wasser oder hohen Temperaturen zum Opfer fallen.

Die Kirche sieht die Entwicklung kritisch

Doch es gibt auch Stimmen, die die Entwicklung in der Kurstadt kritisch beurteilen. Pfarrer Michael Lerche von der Katholischen Kirchengemeinde Maria vom Heiligen Rosenkranz sieht „keine Notwendigkeit“ dafür, dass Geschäfte auch am Sonntag geöffnet haben.
„Die Öffnungszeiten sind schon am Sonnabend bis spät abends, außerdem gibt es Sonderregelungen wie die verkaufsoffenen Sonntage“, erklärt Lerche, der befürchtet, dass dadurch ein kultureller Wert verloren geht. „Es geht dabei nicht allein um christliche Werte, weil der Sonntag heilig ist. Aber wenn immer mehr Menschen auch am Sonntag arbeiten müssen, gibt es keinen Tag mehr, an dem jeder an Veranstaltungen teilnehmen kann.“

Auch Pastorin Anette Sieling von der Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde bedauert, dass der Sonntag immer mehr zum Alltag wird. „Es geht ein Stück Lebensrhythmus verloren. Es ist ein Geschenk Gottes, dass wir eben nicht immer arbeiten müssen, sondern uns auch an einem Tag in der Woche Ruhe gönnen dürfen.“ In einem wohlhabenden Land wie Deutschland müsste dies eigentlich möglich sein, meint Sieling.

Dadurch, dass der Sonntag als Feiertag immer mehr verwässert werde, gehe zudem eine Errungenschaft des Sozialstaates verloren. Dies sei insbesondere für die Familien derjenigen, die am Sonntag arbeiten müssen, eine große Belastung. Auch für die Kirche sei es schwierig, weil die Gottesdienstzeiten immer mehr belegt würden.

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Sonderregel für Kurstädte

Die Möglichkeit in Kurorten, Geschäfte am Sonntag zu öffnen, ist im Gesetz über die Ladenöffnungszeiten verankert. Vom 1. Januar bis zum 15. Oktober dürfen Händler dort sonntags im Rahmen der für Werktage geltenden Zeiten öffnen. Doch das Angebot ist eingeschränkt: Zum einen ist es nur bestimmten Geschäfte in definierten Bereichen, wie etwa in der Nähe des Kurparks sowie dem Fußgängerbereich in der Innenstadt, gestattet zu öffnen, wie André Lutz, Amtsleiter für Bildung und Soziales erklärt. Zum anderen dürfen nur Artikel des täglichen Bedarfs vertrieben werden. Dazu gehören neben Lebensmitteln beispielsweise auch Blumen oder Schuhe. Möbelhäuser wie das Dänische Bettenhaus haben nur die Möglichkeit, an verkaufsoffenen Sonntagen, die die Gemeinde vorgibt, ihre Waren zum Verkauf anzubieten – etwa zum Parkfestival oder dem Bauernmarkt. js

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Nachgefragt

Stefanie Meier (42) aus Rodenberg: „Ich nutze das Angebot kaum. Grundsätzlich ist die Option aber gut, falls man mal etwas vergessen hat. Bei sechs geöffneten Tagen ist der offene Sonntag nicht unbedingt nötig, schafft aber auch Arbeitsplätze.“

Gerd Zimmermann (65) aus Bad Nenndorf: „Ich halte das für Blödsinn. Es gibt unter der Woche genug Gelegenheit, einzukaufen. Das ist eine unnötige Belastung für die Angestellten. Ich würde nie sonntags einkaufen gehen. Sollte mir etwas fehlen, ist es eben nicht da.“

Klaus Tietz (75) aus Bad Nenndorf: „Ich nutze gerne den Bäcker am Sonntagmorgen. Wenn man etwas vergessen hat, ist die Extra-Öffnungszeit eine gute Gelegenheit. Das Angebot wird hier auch sehr gut angenommen.“

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