Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Langfinger „missbrauchen Asylrecht“

Bis zur Verhandlung in Haft, dann Bewährungsstrafen Langfinger „missbrauchen Asylrecht“

 Da wird nicht lange gefackelt: Nur drei Tage nach der Festnahme hat das Amtsgericht Stadthagen zwei Ladendiebe aus Georgien zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Voriger Artikel
Katze ruft Feuerwehr auf den Plan
Nächster Artikel
Mehr als ein Drittel fällt durch
Quelle: Symbolfoto

Bad Nenndorf/Stadthagen. Von beschleunigten Verfahren wie diesem verspricht sich die Justiz abschreckende Wirkung. Bis zum Prozess haben beide Männer in Haft gesessen.
In einem Bad Nenndorfer Supermarkt hatten die Langfinger 24 Schachteln Zigaretten für insgesamt fast 150 Euro gestohlen, waren aber vom Ladendetektiv erwischt worden.

Richter Kai Oliver Stumpe könnte sich vorstellen, dass sie zu einer Bande gehören. „Das Gericht vermutet, dass sie Komplizen hatten, die sie abgesetzt haben“, sagte er. Die 35 und 41 Jahre alten Georgier, untergebracht in Nordrhein-Westfalen, versichern dagegen, mit Bus und Bahn gefahren zu sein.

Einer von ihnen hatte behauptet, er sei in Bad Nenndorf auf dem Weg zu Verwandten gewesen und habe die Zigaretten für sich selbst gebraucht. „Ich rauche zwei bis drei Schachteln täglich“, erzählte er, übersetzt durch eine Dolmetscherin. „Das Geld, was ich in Deutschland bekomme, reicht nicht.“ Beide Männer haben Asyl beantragt. Einer lebt vorübergehend in einer Dortmunder Unterkunft, der andere in Borgentreich, einer ostwestfälischen Kleinstadt im Kreis Höxter. Ohne schriftliche Erlaubnis dürfen Asylbewerber den Landkreis, der ihnen zugewiesen ist, nicht verlassen.

Dass die Georgier an jenem Tag zufällig in Bad Nenndorf gewesen sein wollen, hält Richter Stumpe für eine glatte Lüge. „Der Markt wurde ganz gezielt angegangen, weil sie wussten, dass die Zigaretten dort nicht elektronisch gesichert sind“, erklärte er.

Auch dies würde auf organisierte Kriminalität hindeuten. Im Fall des älteren Mannes kommt noch eine zweite Tat hinzu: Anfang Dezember hatte er aus einem Bückeburger Supermarkt eine Packung mit drei Fläschchen Rum zum Preis von 3,99 Euro eingesteckt. „Das hing mit meinem Zustand zusammen“, bemühte sich der 41-Jährige vor Gericht um eine Erklärung. „Ich habe die Heimat verlassen und bin nervlich fertig. Um mich zu beruhigen, trinke ich Alkohol.“

So oder so: Ihr „Gastrecht als Asylsuchende“ haben die Männer nach Auffassung Stumpes „in verwerflicher Weise missbraucht“. Weil beide zum ersten Mal verurteilt worden sind, wird die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Es geht um drei respektive vier Monate Haft.
Betreten hatten die Georgier den Gerichtssaal in Handschellen, verlassen durften sie ihn als freie Männer – allerdings mit der Auflage, sich in der Bewährungszeit einmal wöchentlich bei den Behörden zu melden.

Dagegen dürfen sie nicht verstoßen. „Sonst ergeht Haftbefehl“, machte Richter Stumpe den Ladendieben klar. „Aus der Haft würden Sie dann wahrscheinlich unmittelbar abgeschoben.“  ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg