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Lesung zum Thema Flüchtlinge

Agnes-Miegel-Gesellschaft Lesung zum Thema Flüchtlinge

Eindrücklich und sensibel hat sich die Agnes-Miegel-Gesellschaft bei ihrer jüngsten Lesung mit dem Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt.

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Manche der Besucher der Miegel-Lesung haben selbst noch lebhafte Erinnerungen an die Zeit als Flüchtling.

Quelle: kle

Bad Nenndorf. Denn auch Agnes Miegel selbst war bekanntlich zum Ende des Zweiten Weltkriegs wie viele andere aus Ostpreußen geflohen und schließlich in einem dänischen Flüchtlingslager untergekommen.

Zu diesem – heute mehr denn je aktuellen – Thema las Annemete von Vogel von der Agnes-Mietel-Gesellschaft Auszüge aus den Erlebnisberichten von Margarete Timmermann, die als Kind in demselben Flüchtlingslager wie Miegel aufgenommen worden war. Zusammen mit einigen Gedichten Miegels über diese Zeit – besonders bewegend: das tieftraurige, dennoch versöhnliche „O Erde Dänemarks“ – erhielten die Zuhörer so einen nachhaltigen Eindruck davon, was es bedeutet, als Flüchtling in einem fremden Land zu leben und nicht zu wissen, was die Zukunft bringt. Ein paar der Besucher hatten selbst noch Erinnerungen an diese Zeit.

Zahlreiche Menschen, vor allem Alte, Babys und Kleinkinder, waren während der Flucht aus Deutschland umgekommen oder starben später an Krankheiten, schilderte Annemete von Vogel. Frauen und Kinder lebten stets in der Ungewissheit, ob ihre Männer, Väter und Brüder noch lebten oder im Krieg gefallen waren. Unter ihnen war auch Margarete Timmermann. Zehn Jahre war sie alt, als sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach ihrer Flucht Dänemark erreichte. Fast zwei Jahre verbrachte sie im Lager Oksbøl – mit 36.000 „Bewohnern“ das größte in Dänemark –, umgeben von Stacheldraht, schlief mit ihrer Mutter in einem Bett und mit sechs anderen Frauen und neun anderen Kindern in einem Raum.

Die stetige Enge führte schnell zu Aggressivität unter den Frauen, schreibt Timmermann. Zwiste wurden offen, nicht selten mit Gewalt ausgetragen, Diebstähle waren an der Tagesordnung. Gleichzeitig fanden auch Mitgefühl und Solidarität ihren Platz, „das soll nicht vergessen werden“. So berichtet sie von kleinen, in jener Situation aber sehr wertvollen Gesten, vom Borgen eines Kamms bis zum Überlassen von etwas zu essen.

Im Westen Deutschlands schließlich „angekommen“, hatten es die Flüchtlingskinder ebenfalls nicht leicht, erinnerten sich ein paar der Anwesenden. In der Schule gab es Ausgrenzungen, wer bei Bauern um Essen bat, wurde davongejagt. Dass einige Menschen in Deutschland sich heute so sehr gegen Flüchtlinge wendeten und alle über einen Kamm scherten, sei ihr gerade vor diesen Hintergründen und den Erfahrungen der vielleicht eigenen Eltern und Großeltern unvorstellbar, sagte von Vogel. kle

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