Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Letzte Chance für werdenden Papa

Bad Nenndorf Letzte Chance für werdenden Papa

Eine von vielen letzten Chancen hat Richter Kai Oliver Stumpe einem notorischen Schwarzfahrer und Randalierer gewährt. Ein Grund: Die Lebenssituation des vor Gericht sehr ruhig und besonnen wirkenden Mannes hat sich grundlegend geändert. Anscheinend wird er bald Vater von Zwillingen. Das Urteil lautete fünf Monate auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Voriger Artikel
Senioren mundet Sole
Nächster Artikel
Mauerschaden im Kurpark hat viele Ursachen

Bad Nenndorf/Stadthagen. Mehrfaches Schwarzfahren und Beamtenbeleidigung – die Vorwürfe gegen den 29-Jährigen, der bis vor Kurzem in Bad Nenndorf gelebt hat, klingen nicht gerade dramatisch. Doch sie erscheinen in einem anderen Licht, betrachtet man seine Vorgeschichte. Denn der Mann ist noch immer auf Bewährung und während der vergangenen zehn Jahre mehrfach verurteilt worden, hat sogar schon einige Haftstrafen verbüßt. Fast schon regelmäßiges Schwarzfahren gehörte zu den Vergehen, dazu kamen immer wieder Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung.

Der Dialog zwischen Richter Stumpe und dem Beklagten zu diesem Thema gestaltete sich fast schon absurd. In welchen Gefängnissen der Beklagte schon überall war, wollte der Richter wissen. Hannover, Vechta und Lingen, zählt der Angeklagte auf. „Und wo war es am besten?“ „In Lingen.“ „Möchten Sie wieder rein?“ Darauf folgt ein klares „Nein“.

Trotzdem ging die „Laufbahn“ des Mannes im vergangenen Jahr ähnlich weiter wie zuvor. 15 Mal wurde er ohne Ticket beim Zugfahren erwischt. Und beim Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf im August 2014 soll er der Anklageschrift zufolge Polizisten gezielt einen Aufkleber auf seiner Jacke präsentiert haben, mit der Aufschrift A.C.A.B. („All cops are bastards“/„Alle Polizisten sind Bastarde“). In diesem Punkt wurde der Angeklagte allerdings freigesprochen, da der Spruch zwar beleidigend, strafrechtlich jedoch nur relevant ist, wenn er wirklich gezielt an jemanden gerichtet ist. Ihn nur auf der Jacke zu tragen, ist nicht strafbar, und mehr konnte dem Beklagten in Stumpes Augen nicht nachgewiesen werden. Den Aufkleber habe er inzwischen aber entfernt, so der Angeklagte.

In Bezug auf das Schwarzfahren zeigte sich der 29-Jährige, der aktuell erwerbs- und obdachlos ist und sporadisch bei seiner Freundin in Braunschweig unterkommt, geständig. Zudem äußerte er die klare Absicht, sich mit seiner Freundin eine gemeinsame Wohnung suchen zu wollen, auch einen Antrag auf Unterstützung beim Jobcenter habe er – zum ersten Mal – inzwischen eingereicht.

„Es mag wenig sein, was da in Ihrer Waagschale liegt“, sagte Stumpe in der Urteilsverkündung. „Aber mir soll es heute genügen.“ Er wolle dem Angeklagten und dessen kleiner Familie „die Chance gewähren“ – jedoch mit der klaren Warnung, dass dies die wirklich letzte Chance sei. Lasse sich der Angeklagte etwas zu Schulden kommen, „stürzen drei Bewährungen auf Sie ein“, so Stumpe. „Dann sehen Sie Ihre Kinder nicht heranwachsen.“ kle

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg