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Männer trauern anders

Bad Nenndorf / Welthospiztag Männer trauern anders

Anlässlich des Welthospiztages hatte die Hospizgruppe Bad Nenndorf zu einer Lesung mit Martin Kreuels eingeladen.

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 Viel Gesprächsstoff: Autor Martin Kreuels (links) diskutiert mit Jürgen Landfester vom Hospizverein Schaumburg-Lippe.

Quelle: ar

Bad Nenndorf. Nach einigen einleitenden Worten von Gudrun Prange, der Leiterin der Gruppe, stellte er sein Buch „17 Jahre wir – Heike ist gegangen“ vor, das aus Tagebuchaufzeichnungen während der Krebserkrankung seiner Frau und nach deren Tod entstanden ist.

Auf der Suche nach Hilfe hatte er vergeblich nach Literatur gesucht, die ihm gefiel. Die Bücher, die er fand, waren alle von Frauen geschrieben worden und weckten in ihm den Wunsch, mehr zu erfahren über Trauerarbeit im Allgemeinen und darüber wie andere Männer mit dem Tod umgehen. Die zahlreichen Besucher erfuhren sehr persönliche Begebenheiten aus der Beziehung zwischen ihm und seiner Frau. Wie er sich auf den ersten Blick in sie verliebt hatte und sofort wusste, dass er sie heiraten wollte. Und über die Unbeschwertheit in der Lebensplanung: „Heirat, dann Kinder und später zusammen zufrieden an Altersschwäche sterben – so hatten wir uns das vorgestellt.“

Nach der sechsten Schwangerschaft gab es jedoch Probleme, die sich als Krebserkrankung entpuppten. „Es geht bergab. Du siehst, du wirst irgendwann unten aufschlagen.“ So beschrieb Kreuels die Zeit danach. Aus einer 80-prozentigen Heilungschance wurden in knapp zweieinhalb Jahren null Prozent. Seine widersprüchlichen Gefühle und die Art, wie er und seine Kinder mit der Situation fertig wurden, erlebte er als Achterbahnfahrt.

Bewegend schilderte er die letzten gemeinsamen Tage und die damit verbundenen Abschiede von Freunden und Kindern. Er habe gar nicht großartig nachgedacht, als die Familie um das Totenbett herum noch einmal gemeinsam gefrühstückt habe. „Aber“, so gab Kreuels in der anschließenden Zeit, in der er Fragen beantwortete, zu bedenken, „es gab viele Menschen, die sich von uns abgewendet haben.“

 Seine Trauer hat er in Büchern und über die postmortale Fotografie verarbeitet. Nicht jeder habe dafür Verständnis. Für sein erstes Buch habe er durch ganz Europa reisen müssen, um Männer zu finden, die bereit waren, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben. Gelernt habe er, dass Männer sich eher zum Kettensägen-Kurs treffen würden, um nebenbei diese Dinge zu besprechen, erklärte er. „Wir sind in einem bequemen Auto mit Sitzheizung gegen die Wand gefahren. Nur Heike ist nicht mehr ausgestiegen. Jetzt schrauben wir uns so nach und nach ein neues Auto zusammen, das dann wieder zu uns passt“ , beendete er seinen Vortrag.

 Anschließend blieb den Gästen noch genügend Zeit, sich mit den Hospizmitgliedern und dem Schriftsteller bei einer Tasse Kaffee auszutauschen.ar

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