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Maik Fischer: Keine Herabstufung

Staatsbad Bad Nenndorf Maik Fischer: Keine Herabstufung

Maik Fischer, neuer Geschäftsführer des Staatsbades, spricht im SN-Interview über Pläne und Chancen

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Der neue Geschäftsführer, Maik Fischer, sieht in der Landgrafentherme einen wichtigen Baustein des Staatsbades Nenndorf.

Quelle: gus

Bad Nenndorf. Nach Ihrem Antrittsbesuch als Geschäftsführer, wie ist Ihr Eindruck vom Betrieb und von der Belegschaft des Staatsbads Nenndorf?

Zunächst einmal freue ich mich, dass mir die Verantwortung vom Gesellschafter übertragen worden ist. Ich hatte heute Morgen einen kurzen Rundgang, und der erste Eindruck war außerordentlich gut. Ich habe viele freudige Gesichter gesehen, gerade auch im Umgang mit Gästen. Das ist prima, so muss das sein in einem Kurort, wo es darum geht, Menschen Gesundheit und Lebensfreude zu geben. Ich freue mich darauf, in den nächsten Wochen alle Mitarbeiter kennenzulernen.

Welche sind Ihrer Meinung nach die Stärken des Staatsbades Nenndorf?

Ich hatte noch nicht so viele Gelegenheiten, die Stärken kennenzulernen, da bitte ich Sie, mir diese Frage noch einmal in 100 Tagen zu stellen. Aber grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass in jedem Dienstleistungsbetrieb eine der Stärken die Mitarbeiter sind. Das gesamte Gesundheitswesen in einem Kurort ist doch stark abhängig, von den Menschen, die die Dienstleistungen erbringen. Das sind immer Aktionen sehr direkt am Körper, mit der Psychologie, an der Seele. Bad Nenndorf hat ja viele Gäste, und deshalb setze ich darauf, dass die Mitarbeiter das sehr gut machen. Dazu kommt eine vernünftige Infrastruktur. Die Sanierung von Therme und Kurpark ist ausgesprochen gut gelungen – eine deutliche Attraktivitätssteigerung. Bad Nenndorf ist stolz auf seine Heilbad-Geschichte. Wenn der Geschäftsführer jetzt in Bad Pyrmont sitzt, wird das vielfach als Herabstufung bewertet.

Wie wollen Sie diesem Eindruck entgegenwirken?

Ich habe nicht die Haltung, dass das herabstufend ist, ich habe zu beiden Standorten dieselbe Einstellung. Als Beleg möchte ich anführen, dass ich mir fest drei Tage für Bad Nenndorf und zwei Tage für Bad Pyrmont reserviert habe – in den ersten Wochen sogar noch etwas mehr für Bad Nenndorf. Auch in Bad Pyrmont wird das übrigens nicht als Herabstufung gesehen. Beide Standorte haben eine gute Historie, einen guten aktuellen Stand und – jeder für sich – auch eine gute Zukunft.

In Bad Nenndorf ist ein Teil des Kurbetriebs in städtischer Hand: Die Kur- und Tourismusgesellschaft kümmert sich um den Kurpark und das Veranstaltungsprogramm. Macht das Ihre Arbeit einfacher oder eher komplizierter, weil Sie in Pyrmont auch Kurdirektor sind?

Bad Pyrmont ist ja eines der wenigen Staatsbäder in Deutschland, das noch ein sogenannter Vollsortimenter ist und wo die gesamte Infrastruktur noch in Landeshand ist. Trotzdem macht das für mich keinen Unterschied. Ich freue mich darauf, hier mit der Stadt, den Bürgermeistern, der Kur- und Tourismusgesellschaft und allen weiteren Partnern erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Es soll bald einen Verwaltungsleiter für den Standort Bad Nenndorf geben, der sich um den Alltagsbetrieb kümmert. Können Sie schon sagen, wann diese Personalie entschieden wird, gibt es sogar schon einen Namen?

Mit dem Land Niedersachsen ist in der Tat abgestimmt – das ist auch eine Voraussetzung gewesen, die ich gestellt habe –, für das Staatsbad Bad Nenndorf eine Verwaltungsleitung bis spätestens zum dritten Quartal 2015 zu implementieren, um auch meine Aktivitäten zu entlasten, denn meine Zeit ist nicht unerschöpflich. Namen kann ich noch nicht nennen.

Wird das jemand von außen sein oder jemand aus der jetzigen Belegschaft?

Wichtig ist, dass das Anforderungsprofil erfüllt wird. Alles Weitere steht noch nicht fest.

Wo sehen Sie die wichtigsten Arbeitsfelder für beide Staatsbäder in den nächsten Jahren?

Beide Standorte haben viele Gemeinsamkeiten, was die Geschäftsfelder angeht. Um die Gemeinsamkeiten zu nutzen, ist es logisch, diese noch einmal zu bewerten und hier und da auch noch zu optimieren. Ein erster Schritt war seitens des Gesellschafters, den Aufsichtsrat zu harmonisieren. Mittlerweile haben wir seitens des Landes dieselben Aufsichtsratsmitglieder sowohl für Bad Pyrmont als auch für Bad Nenndorf. Und natürlich ist es mit einer Geschäftsführung auch etwas leichter, Optimierungspotenziale zugunsten beider Betriebe zu nutzen und damit auch einen Beitrag zu den Zielen des Landes Niedersachsen zu leisten. Zu nennen ist hier die Schuldenbremse im Jahr 2019.

Wo sehen Sie weitere Vorteile einer engeren Verzahnung beider Staatsbäder?

Wesentlich sind der Moorbereich und der Einkauf, denn beide Bäder zusammen haben sicherlich mehr Marktmacht auch gegenüber Lieferanten, sodass insgesamt bessere Preise erzielt werden können. Profitieren werden sicherlich auch die Verhandlungen mit den Kostenträgern. Worum es zusätzlich geht, ist zu schauen, wie wir noch besser mit der Deutschen Rentenversicherung und mit anderen Kliniken zusammenarbeiten können. In der Patientenversorgung wird es einen Know-how-Austausch geben. Ein Ziel ist auch, dass wir uns bei Personalknappheit wegen Urlaubs oder Krankheit, flexibler aushelfen können, sodass es nicht immer nötig sein wird, Fremdpersonal zu besorgen, beispielsweise bei Ärzten oder Therapeuten. Im Patientenmanagement und in der Finanzbuchhaltung gibt es jetzt schon identische Systeme. Ganz entscheidend ist auf dem Gesundheitssektor das Geld.

Hat es ein Geschäftsführer leichter, gegenüber dem Land eigene Vorstellungen oder Forderungen durchzusetzen?

Von Forderungen möchte ich nicht sprechen. Wichtig ist, dass zwischen dem Geschäftsführer und dem Aufsichtsrat sowie dem Gesellschafter ein Vertrauensverhältnis besteht. Und das geht nur, wenn die Erwartungshaltung immer abgestimmt wird. Natürlich ist es besonders vertrauensbildend, wenn die Wirtschaftspläne erfüllt werden. Wichtig ist auch, dass wie Privatunternehmen auch marktorientiert gearbeitet wird, damit die Eigentümer auch zufrieden sind. Das geht natürlich nur, wenn zunächst die Kunden zufrieden sind mit den erbrachten Leistungen.

Bei Bad Nenndorf soll eine teure Naturheilkunde-Klinik gebaut werden, deren Betreiber auch Kooperationen mit dem Staatsbad für möglich halten. Wie bewerten Sie dieses Projekt?

Ich kenne das Projekt nur aus den Medien. Es scheint ja auch noch gar nicht klar zu sein, wer der Investor ist. Das ist alles noch spekulativ. Wenn eine Investition wirklich getätigt wird, wäre das Staatsbad sicher auch gern Kooperationspartner, denn natürliche Heilungsansätze passen gut zu einem Kurort. Das funktioniert in Bad Pyrmont gut, wo es viele Partner in diesem Bereich zusammenarbeiten.

Zum Schluss ein Blick in die nähere Zukunft: Welche Projekte stehen im Staatsbad als auf der Agenda?

Wesentliche infrastrukturelle Maßnahmen sind die Modernisierung des Innenbeckens der Landgrafentherme und des Therapiebeckens der Landgrafenklinik. Eine kleinere Maßnahme wird der Umzug der Verwaltung in die oberen Räume des Haus Edelweiß sein.

Das jetzige Verwaltungsgebäude steht dann leer?

Nein, es wird eine Nachnutzung geben. gus

Fachmann für Finanzen und Gesundheit

Der neue Chef des Staatsbades Nenndorf, Maik Fischer, ist seit März 2015 auch Geschäftsführer sowie Kurdirektor des Staatsbads Pyrmont. Im Jahr 2011 begann der Hildesheimer als kaufmännischer Leiter in Pyrmont. Zuvor war er zehn Jahre lang für den Pharma-Großhändler Phoenix-Group tätig, sieben Jahre davon in leitender Position. Der 44-Jährige schloss zunächst eine Ausbildung bei der Sparkasse Hildesheim ab, studierte dann BWL mit Abschluss Diplom-Kaufmann. Es folgte ein Ingenieur-Studium in Posen, an dessen Ende Fischer den Titel Master Informatik erhielt. Berufsbegleitend erwarb Fischer in England noch den Master Business Administration. An der Technischen Universität Braunschweig promovierte er im Fach Persönlichkeitspsychologie. Der Doktor-Titel soll in Kürze verliehen werden. gus

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