Ein wenig verspätet traf Sebastian Edathy auf dem Wochenmarkt ein. Dafür lieferte der Bundespolitiker eine charmante Erklärung: „Ursula von der Leyen wollte mich nicht gehen lassen“. Edathy war direkt vom gemeinsamen Termin mit der Bundesfamilienministerin im Mehrgenerationenhaus in die Kurstadt gefahren – und im alltäglichen Stau auf der Bundesstraße 65 gelandet. Für die Verkehrssituation zwischen Stadthagen und Bad Nenndorf fand er klare Worte: „S......“
Auf dem Wochenmarkt punkteten der Sozialdemokrat und seine örtlichen Parteigenossen mit 300 Rosen bei den Damen, wie der 96-jährigen Ruth Telitzky. Auch das aktualisierte Grundgesetz im Miniformat wurde gerne mitgenommen. „Mit Schuldenbremse“, wie Edathy betonte. Zum Thema Sparen kam die Forderung auf, den Ortszuschlag für Beamte und die Verwaltungskosten insgesamt zu überdenken. „Wozu brauchen wir 16 Bundesländer?“, fragte Joachim Wohlfarth. „Ich teile diese Auffassung völlig“, hielt Edathy eine Neugliederung für möglich. Voraussetzung sei allerdings ein Konsens unter den Bundesländern. „Eigentlich brauchen wir eine weitere Föderalismusreform“, meinte er.
Breiten Raum nahm das Thema gerechte Löhne ein. Insbesondere die Privatisierung der Post stand im Zentrum der Kritik. Ein Nenndorfer berichtete von seinem Sohn, der als Postangestellter seine Familie nicht mehr ernähren könne. Dessen Arbeitszeit sei auf 20 Stunden reduziert worden, während man schlechter bezahlte Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt habe. Edathy bot seine Hilfe an, hielt aber dagegen: „Der Tarif gilt für alle.“ Zudem habe er nicht das Gefühl, dass die Post schlechter geworden sei. Man müsse nur darauf achten, das Filialnetz nicht weiter auszudünnen. „Sie müssen doch auf Arbeitnehmerseite stehen“, machten Bürger in der Warteschlange ihren Ängsten Luft: „Wie erklären sie einer Krankenschwester, dass sie kaum noch von ihrem Gehalt leben kann?“
In Bezug auf den Neonaziaufmarsch am 1. August forderte Harald Daß, die Stärken und die Toleranz in der Bundesrepublik zu betonen. „Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land“, sagte der Rodenberger, „Ausländer fühlen sich hier wohl, genießen Religionsfreiheit.“ Für Edathy stelle sich eher die Frage: „Wie kann man sich der Invasion durch Feinde der Demokratie erwehren?“ Bei allen Meinungsverschiedenheiten: „Wählen gehen wir auf jeden Fall“, waren sich viele Bad Nenndorfer einig. tes
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