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Marschieren Neonazis an jüdischer Gemeinde vorbei?

Bad Nenndorf / "Trauermarsch" Marschieren Neonazis an jüdischer Gemeinde vorbei?

Der sogenannnte „Trauermarsch“ von Rechtsextremisten zum einstigen Verhörzentrum im Wincklerbad wiederholt sich am Sonnabend, 6. August, zum sechsten Mal. Die Vorbereitungen sind angelaufen, den ungebetenen Gästen den Besuch durch eine bunte Vielfalt des friedlichen Protestes zu verleiden.

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Die Bad Nenndorfer wollen sich auch in diesem Jahr wieder von der wehrhaften Seite zeigen.

Bad Nenndorf (tes). Eine Menschenkette, die Bilderaktion „Gesichter für Bad Nenndorf“ der Initiative „Bad Nenndorf ist bunt“ (BNib), ein Kulturfest am 2. Juli, Resolutionen der Räte von Stadt und Samtgemeinde, ein Gottesdienst, prominente Redner und eine Vielzahl von Feiern auf Privatgrundstücken direkt an der Bahnhofsstraße könnten den „Trauermarsch“ für die Neonazis zum „Trauerspiel“ machen. Das wurde bei einem Treffen von Bürgern und Vertretern aus Vereinen, Verbänden, Parteien, Schulen und Kirchengemeinden deutlich.

Nachdem im vergangenen Jahr etwa 1000 Rechtsextremisten auf überraschende Hindernisse auf ihrer Marschroute gestoßen waren– von Antifaschisten in einer Holzpyramide bis zur fröhlich singenden Sportler-Gruppe – motivierte Udo Husmann, Vorsitzender des SPD-Samtgemeindeverbandes, auch für 2011 zu kreativen Protest-Ideen. „Je mehr von uns auf der Straße sind, desto weniger Platz bleibt für die Nazis“, betonte Bürgermeisterin Gudrun Olk.

Dass der Nazi-Aufmarsch genehmigt wird, daran hegen weder Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese noch die Mitglieder des Bündnisses Zweifel. Umso wichtiger sei es, den bürgerlichen Widerstand auf breite Füße zu stellen und noch mehr Demokraten auf die Straße zu bekommen.

Die Situation bezeichnete Dietmar Buchholz von BNib dieses Jahr als besonders prekär: Der Termin liege in den Sommerferien und die Strecke der Neonazis auf der Bahnhofsstraße führe jetzt unmittelbar an der jüdischen Gemeinde vorbei. „Eine unglaubliche Provokation“, die auf politischer Ebene und bei den Genehmigungsbehörden bedacht sein sollte, forderte Jürgen Uebel vom Bündnis. Zumal beim Trauermarsch 2008 der niederländische Neonazi Constant Kusters öffentlich die Bombardierung Israels gefordert hatte.

„Die jüdische Gemeinde ist entsetzt, dass die Nazis wenige Meter vor unserem Gemeindehaus demonstrieren“, bestätigte die Vize-Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Ludmilla Nekrasova: „Wir feiern dort am gleichen Tag unser Shabbat-Fest“. Auch aufgrund der Entwicklungen in der Nachbarschaft soll die Resolution der Lokalpolitik erneuert werden, hoffte Reese, dass Nachbarkommunen und der Landkreis diesem Beispiel folgen.

Bürger aus Rodenberg sagten ihre erneute Unterstützung zu. In Bad Nenndorf ist am 5. August, dem Vorabend zum Trauermarsch, unter dem Motto „Einstehen gegen Rechts“ unter anderem eine Menschenkette vom Bahnhof bis zum Wincklerbad geplant. Für die Gegendemonstration am 6. August hat der DGB die gleiche Route wie im vergangenen Jahr angemeldet – mit kleinen Änderungen. Statt von 10.30 bis 16 oder 18 Uhr soll von 10.30 bis 13 oder 14 Uhr demonstriert werden.

Der DGB sucht nach prominenten Rednern, um die bundesweite Resonanz zu verstärken. Eine Zusage von Franz Josef Möllenberg, dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, liegt bereits vor. Zudem soll der Landesbischof eingeladen werden. Gesucht werden Anwohner der Bahnhofsstraße, die auf ihrem privaten Grund feiern. Ideen und Pläne werden jetzt in Arbeitsgemeinschaften organisiert.

Für die Arbeitsgruppe „Feiern an der Bahnhofsstraße“ fanden sich im Publikum sofort Teilnehmer. Nenndorfs Polizeichef Michael-Andreas Meier bat, dem Trauermarsch kreativ, aber gewaltfrei zu begegnen. Die Polizei werde friedliche Aktionen unterstützen.

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