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Bad Nenndorf Miegel-Debatte noch nicht öffentlich
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Miegel-Debatte noch nicht öffentlich
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19:38 11.03.2011
Liegezeit abgelaufen: Das Grab in Agnes Miegel auf dem Bad Nenndorfer Friedhof. Quelle: rwe

Bad Nenndorf (rwe). Der vertraulich tagende Verwaltungsausschuss hat sich auf Anfrage der SPD-Fraktion mit dem Grab der Dichterin befasst, das sich unweit der Kapelle am Eingang Buchenallee befindet. Die Liegezeit ist seit Ende 2010 abgelaufen, würde ohne einen Nachfolger also eingeebnet werden. Darüber hinaus wird die Grabstätte nach einem Beschluss des Verwaltungsausschusses aus den 70er Jahren auf Kosten der Stadt gepflegt.

Ob das so bleiben soll, wollen die Politiker in einer der nächsten Sitzungen festlegen. „Wir wurden bisher nur über die Situation unterrichtet“, sagt Bürgermeisterin Gudrun Olk. Um einen Beschluss zu fassen, müsse das Thema erst einmal auf die Tagesordnung.

In welche Richtung das Gremium dabei tendiert, mag Olk nicht voraussagen. Denkbar sei auch, dass die Beratung an den öffentlich tagenden Kulturausschuss abgegeben wird.

Wenn auch nicht öffentlich, so ist nach Ansicht der Bürgermeisterin die Miegel-Diskussion auch vor Ort schon lange im Gange. „Wir haben hier eine besondere Situation“, sagt Olk. Es gehe nicht allein um einen Straßennamen. Obwohl es um den dann auch gehen dürfte. Einer Debatte über die Grabkosten würde vermutlich eine über den Agnes-Miegel-Platz und auch über die Statue im Kurpark mit einschließen.

Das Agnes-Miegel-Haus dagegen ist im Privatbesitz der Agnes-Miegel-Gesellschaft, von daher unberührt von den politischen Debatten. Dem Verein, der heute Vormittag seine Jahresversammlung im „Hotel Hannover“ abhält, würden einige Politiker gerne auch die Grabpflege übertragen. „Wir würden das dann wohl zur Not übernehmen“, hofft Mitglied Inge Meyer aber weiter auf die Stadt. Sie kümmert sich um das kleine Miegel-Museum, das bereits durch Beiträge und Spenden getragen wird. Die Mitgliederzahl im Verein (derzeit 354) sei stark rückläufig, verweist sie auf das hohe Alter vieler Verehrer.

Auch für das Grab werde der Verein sicher eine verlängerte Nutzung erreichen, glaubt Meyer. Erst vor wenigen Jahren seien Nachfahren aus der befreundeten Familie von Hingst dort beigesetzt worden. Entsprechend ließe sich die Liegezeit verlängern, wenn die Gesellschaft das beantrage.

Vorsitzende Marianne Kopp wundert sich, dass die Nutzungszeit überhaupt schon abgelaufen sein soll. Agnes Miegel habe vorsorglich schon vor ihrem Tod 1964 das Grab für 50 Jahre gekauft und bezahlt.

Sie und der Vorstand bekamen am Donnerstag Besuch vom NDR-Fernsehen, das gestern Abend über die Rolle Agnes Miegels und die Arbeit der Gesellschaft berichtete. Diese wehrt sich seit Jahren gegen die Darstellung, Miegel sei eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers gewesen und habe Blut-und-Boden-Gedichte ganz im Sinne des Regimes verfasst. Vielmehr hätten die Nazis die Nähe zu Miegel gesucht und deren Popularität für eigene Zwecke missbraucht. Kritiker halten dagegen, dass sich Miegel später nie deutlich genug von ihren Werken aus der NS-Zeit distanziert habe.

Mit der „jüngeren Diskussion um die Dichterin“ beschäftigen sich auch Professor Paul Ledinger heute um 15.30 Uhr in einem halbstündigen Vortrag bei den Agnes-Miegel-Tagen im „Hotel Hannover“. Danach sollen 30 Minuten Zeit bleiben für eine öffentliche Diskussion. Bereits um 14.30 Uhr lädt die Gesellschaft ein zum Gedenken am Grab.