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Mit 37 raus aus der Schule

Ohndorf / Alte Schule Mit 37 raus aus der Schule

Die Glocke klingelt. Einmal alle halbe Stunde, zur vollen der Uhrzeit gemäß. Um 7 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr bimmelt es sekundenlang. Was andere wahnsinnig machen würde, wird Nils Leonard nach eigenen Angaben fehlen, wenn er zum Jahresende aus der „Alten Schule“ in Ohndorf auszieht.

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Nils Leonard zieht aus, Kater Felix kommt mit.

Quelle: jcp

Von Jan-Christoph Prüfer

Ohndorf.  „Ich habe nie eine Uhr gebraucht“, sagt der 37-Jährige. Lachen kann er darüber, weil er sich längst an den Glockenschlag gewöhnt hat. Zum 1. Januar 1978 sind die Eltern mit ihm und seinen beiden Brüdern aus Hannover raus aufs Land gezogen – in die ehemaligen Lehrerwohnungen der „Alten Schule“ in Ohndorf, in der bis Mitte der siebziger Jahre noch gepaukt wurde.

 „Mein Vater kannte den damaligen Bürgermeister Konrad Lattwesen von der Arbeit bei der Post“, erklärt Leonard das ungewöhnliche Ende der Wohnungssuche seiner Eltern. Dass er „nicht ganz normal“ wohne, habe er als Kind höchstens bemerkt, wenn Spielkameraden bei ihm übernachteten. Die Glocke ließ sie senkrecht im Bett stehen. „Wie hältst du das nur aus?“, hätten sie gefragt.

 Neugierige Ausflüge auf den Dachboden, wo die Leonards ihre Wäsche trockneten, ließen den jungen Nils in die Vergangenheit seines Zuhauses eintauchen. „Da liegen Klassenbücher“, hat der Ohndorfer herausgefunden. „Mit Anwesenheitslisten.“

 Ernst wurde es 2006. Nach dem die Eltern gestorben waren, verließ den jungen Mann damals auch noch seine Freundin. Und die beiden Brüder waren längst ausgezogen. „Das war ein mieses Jahr“, erinnert Leonard sich.

 Einsam habe er sich aber nicht gefühlt. Zum einen leistete auch damals schon Kater Felix Gesellschaft. Zum anderen fungieren Teile der „Alten Schule“ als Ohndorfer Veranstaltungszentrum. Leonard: „Wenn die Vereine gefeiert haben, hat jedes Mal einer an die Tür geklopft und gefragt, ob ich rüberkomme.“ Was er dann auch eigentlich immer getan habe.

 Leonard ist selbst in der Feuerwehr Ohndorf aktiv und will es auch bleiben. So habe er „immer einen Grund, um hierher zu kommen“.

 Leicht falle es nach 35 Jahren nicht, die „Alte Schule“ zu verlassen. Jedes Zimmer, das er derzeit Stück für Stück ausräumt, berge Erinnerungen. „Deshalb ziehe ich ja auch schon seit drei Jahren aus“, sagt der Ohndorfer. So lange überlege er bereits, mit seiner jetzigen Freundin in Nordsehl auf dem Hof ihrer Eltern zusammenzuziehen.

 Im September gab Leonard sich einen Ruck und kündigte ein Mietverhältnis, das 1978 begonnen und fast sein gesamtes bisheriges Leben Bestand hatte. Das Leben geht weiter, in Nordsehl. Kater Felix kommt auch mit. Aber die Glocke, die wird fehlen.

Zu vermieten

Für die Gemeinde Hohnhorst könnte es nicht leicht werden, für die rund 140 Quadratmeter Wohnfläche der „Alten Schule“ einen Nachmieter zu finden. Mitglieder des Bauausschusses besichtigten die Zimmer, Keller und Dachboden kurz nach Nils Leonards Kündigung. Wenig überraschendes Ergebnis: Die Räume des 1909 errichteten Gebäudes entsprechen in keinerlei Hinsicht heutigen Ansprüchen. Bürgermeister Wolfgang Lehrke befürchtete in der Ausschusssitzung eine ähnliche Situation wie die der „Alten Lehrerwohnung“ in Hohnhorst, die bereits seit einigen Jahren leer steht. Zumindest für einen Raum in Ohndorf liegt eine Interessenbekundung vor. Örtliche Vereine würden dort gern Unterlagen einlagern.

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