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Bad Nenndorf „Muss ich erst mit einer Pumpgun auftauchen?“
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf „Muss ich erst mit einer Pumpgun auftauchen?“
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00:17 14.10.2013
pr.
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Bad Nenndorf/Bückeburg (ly)

Weil auf seinem Konto noch kein Geld eingegangen war, hatte der Arbeitslose im Jobcenter Stadthagen einen Amoklauf angekündigt. „Muss ich erst mit einer Pumpgun auftauchen, bevor etwas passiert?‘‘, bedrohte der Nenndorfer das Opfer am Telefon. Eine Pumpgun ist ein Gewehr. Überdies wollte der Hartz-IV-Empfänger, der vor einigen Jahren für den Nenndorfer Samtgemeinderat kandidiert hatte, eine Sachbearbeiterin an den Haaren über die Flure schleifen. Anschließend kündigte er im Internet öffentlich an, sich alsbald zum Jobcenter zu begeben, weil er nun „die besseren Argumente“ habe. Zur Veranschaulichung garnierte er seinen Text mit dem Bild einer Handfeuerwaffe.
Für noch größeren Wirbel hatte der 32-Jährige beim Münchner Fernsehsender Sky gesorgt. Weil er meinte, ihm stehe eine Gebührenerstattung zu, attestierte er den TV-Machern in einem Brief „Arschlochverhalten“. Schlimmer noch: In den Umschlag füllte der Sky-Gucker Mehl, das im Sender wie geplant für Milzbranderreger gehalten wurde. Ein ABC-Zug der Münchner Feuerwehr musste ausrücken. Die Poststelle des Unternehmens wurde evakuiert und versiegelt.
Akute Geldnot gilt als Motiv für Tat Nummer drei. Eher stümperhaft hatte der Nenndorfer einen Briefkopf der NPD gefälscht, um Bettelbriefe an Gönner zu verschicken. Gesammelt werden sollte für ein NPD-Mitglied, dem wegen rassistischer Äußerungen über türkische Kollegen gekündigt worden sei. Zwei von 14 Adressaten zahlten tatsächlich - zusammen 150 Euro. Beide dürften dem Verfasser auf den Leim geganden sein. Dieser hatte den Eindruck erweckt, der Spendenaufruf stamme von NPD-Chef Holger Apfel höchstselbst.
Dennoch: „Angesichts dieses plumpen Versuchs“, auf den zwölf Parteimitglieder nicht hereingefallen sind, hält Berufungsrichterin Eike Höcker die im ersten Prozess ausgeworfene Strafe für „deutlich zu hoch“. Boden gutgemacht hat der Angeklagte außerdem durch sein Geständnis, eingestuft als „glaubhaft und ehrlich“. So blieb der Frau vom Jobcenter eine erneute Zeugenvernehmung erspart. Vorausgegangen war dem Geständnis allerdings ein längeres Rechtsgespräch. Anfangs hatte der Angeklagte behauptet: „Ich bin provoziert worden - definitiv.“
Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der Angeklagte 300 Stunden gemeinnützig arbeiten und sich um eine Psychotherapie bemühen.

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