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Napoleons Bruder liebt Bauernhochzeiten

Bad Nenndorf / Tipp Napoleons Bruder liebt Bauernhochzeiten

In den Ferien lohnt sich für Daheimgebliebene eine Reise in die eigene Vergangenheit. Ohne lange Wege und dicken Koffer können Bad Nenndorfer noch Neues aus ihrem Heimatort erfahren. Wie beim Rundgang „König Lustik und die Schwefelbande“.

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Ein Rundgang durch den Kurpark kann auch eine Reise durch die Geschichte sein. Trachtenträgerin Renate Bredemeier mit den Teilnehmern des Themenrundganges. © ems

Bad Nenndorf (ems). Fast 20 Teilnehmer haben sich beim Rundgang Gästeführerin Renate Bredemeier angeschlossen, die sie in Schaumburger Tracht zu einer gut zweistündigen „Zeitreise“ durch den Kurpark entführte. Mit etlichen Anekdoten vermittelte sie Lehrreiches äußerst unterhaltsam.

Am Landgrafenhaus wurden Geheimnisse um den jüngsten Bruder von Kaiser Napoleon, Jérôme Bonaparte, verraten. Denn der über das damalige „Königreich Westphalen“ eingesetzte Herrscher soll vergnügungssüchtig gewesen sein und erhielt deshalb vom Volk den spöttischen Namen „König Lustik“. Bredemeier verdeutlichte dabei die Lust des Königs an dörflichen Festivitäten mit den Worten: „Jérôme wird nachgesagt, sogar den Pastor gezwungen zu haben, im August mindestens drei Bauernhochzeiten abzuhalten“.

Der junge König soll obendrein an Rheuma im linken Arm gelitten haben, weswegen er zur Kur im damaligen Schwefelbadeort weilte und währenddessen im Landgrafenhaus wohnte. „Ohne Feste wäre es ihm hier wohl zu langweilig gewesen“, so die Vermutung. Immerhin brachte der junge Franzose das in seiner Heimat längst bekannte Moorbad nach Bad Nenndorf, wobei Bredemeier auf eine der allerersten Badewannen aus Sandstein zeigen konnte, die derzeit auf der grünen Wiese vor dem Schlösschen steht.

Erst weit „nach der Völkerschlacht bei Leipzig“, sei Kurfürst Wilhelm aus seinem Exil zurückgekehrt und habe fortan das Schlösschen bewohnt. Dort habe sich zu einem späteren Zeitpunkt „eine Gruppe von Männern um Viktor von Podbielski und den 203 Zentimeter großen Grafen von Bredow“, als „Schlammbande“ tituliert und allerlei Männerspäße getrieben.

So sei eines Tages Graf von Bredows extra großes Bett aus Schabernack gegen ein Kinderbett eingetauscht worden und habe dem Unglücklichen eine verkorkste Nacht beschert. Auch über die „erste Apotheke“ und das „Haus Bergleben“, sowie den Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe und dessen tragische Familiengeschichte, wusste die Geschichtskundige zu berichten.
Insgesamt gab es unermesslich viele Informationen für die Gäste von außerhalb, die wie Roswitha Weber aus Osnabrück „gerne wiederkommen wollen“. Aber auch Einheimische konnten auf dieser unkomplizierten Bildungsreise mit den geschilderten Begebenheiten überrascht werden.

Für Pflanzenfreunde gibt es am Mittwoch, 20.Juli, eine botanischen Parkführung. Die Kur- und Tourismusgesellschaft bietet „viel Wissenswertes zum Thema der Bäume und Pflanzen im historischen Kurpark“ an. Treffpunkt ist um 15 Uhr am „Haus Kassel“. Die Teilnahme kostet 2,50 Euro und ist mit Gästeticket frei.

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