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Naturschützer erwarten mehr Vernunft

Bad Nenndorf / Nabu Naturschützer erwarten mehr Vernunft

Wenn Forscher feststellen, dass das Bauen auf der „grünen Wiese“ nicht lohnt, warum wird in Bad Nenndorf und Haste dennoch Fläche dafür missbraucht?

Bad Nenndorf (r). Mit dieser Frage kritisiert der Nenndorfer Naturschutzbund (Nabu) die Planungen für neuer Gewerbegebiete. „Sie verbrauchen Fläche, zerschneiden Landschaften, verlängern Verkehrswege und führen zu steigenden CO2-Emissionen, und dies steht im Widerspruch zu den Zielen der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie.“

„Der Nabu hat im Oktober 2010 einen Antrag zum Flächenressourcen-Management an die Stadt gestellt, auf dessen Antwort warten wir leider bis heute“, schreibt Vorsitzender Torben Preuß. Dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung gelte die Wiederbelebung innerstädtischer Brachen. „Hier schrecken Investoren und Kommunen oft zurück, weil sie einen höheren Geld- und Arbeitsaufwand gegenüber einer Planung auf der grünen Wiese fürchten.“

Diese Vorbehalte habe eine deutsche Forschungsgruppe jetzt entkräften können. „Das Fazit der Finanzwissenschaftler, Stadtentwickler und Immobilienexperten“, zitiert Preuß wie folgt: Über zehn Jahre betrachtet, bei Berücksichtigung aller Kosten und Erträge, verschwinden die vermeintlichen finanziellen Vorteile auf der grünen Wiese. Den Städten wird empfohlen, ihre vorhandenen Brachen bekannter zu machen, zum Beispiel durch ein öffentliches Kataster.“

Bereits im November 2010 hatte der Nabu auf die örtlichen Probleme aufmerksam gemacht anhand des geplanten Fachmarkt- und Gewerbezentrums auf der freien Fläche an der Bückethaler Landwehr. „Dort existiert seit rund 15 Jahren eine große Saatkrähenkolonie, und die dürfte durch die Planungen direkt betroffen sein“, so Preuß. Diese Vogelart sei besonders geschützt in Deutschland. „Die Planungen könnten der Kolonie sehr schaden." In dem kleinen Buchenwäldchen direkt an der Abfahrt der Autobahn lebten die Saatkrähen bislang weit von Siedlungen und störten niemanden.

Nach Aussage des Biologen Thorsten Brandt könne sich dies schnell ändern, schreibt der Nabu. Wenn jemand zu nah an der Kolonie baue, könnte dies möglicherweise einen Umzugsprozess der Kolonie bedeuten, und das an durchaus ungeeigneten Stellen wie dem Inneren der Stadt oder dem Kurpark.

Als „weiteren Verlust von kostbarem Land und Lebensraum“ bezeichnet Preuß in der Gemeinde Haste das neue Gewerbegebiet „An der schwarzen Mühle“. Für die Politik sei es nur eine Fläche, aber für andere Lebewesen sei dies Lebensraum und nach der Bebauung unwiderruflich verloren, so Preuß weiter.

Aufgrund der Studie und des Ergebnisses des Rates für Nachhaltige Entwicklung seien diese Planungen für die Naturschützer einfach nicht nachvollziehbar. „Warum werden hier bereits bekannte Fehler wissentlich gemacht“, fragt Preuß. Der Nabu habe die Politiker bereits darauf hingewiesen. Das Statistische Bundesamt verzeichnete 2008 einen Flächenverbrauch in einer Größenordnung von 104 Hektar pro Tag. Das entspreche der Fläche von 149 Fußballfeldern.

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